Wärmewende in Celle –

bislang planlos!


Warum ist für CO2-Null eine Wärmewende so wichtig?

Derzeit werden laut Umweltbundesamt (UBA) in Deutschland ca. 31% der Endenergie für Gebäudewärme und Klimatisierung verbraucht. Da dies größtenteils noch über fossiles Erdgas oder Kohle (Fernwärme) erfolgt, ist der Anteil an der Emission von Treibhausgas (THG) durch Gebäude­wärme und Klimatisierung mindestens 16%. Damit ist offensichtlich, dass eine Wärme­wende im Rahmen einer Energiewende zu CO2-Null eine Kernaufgabe ist!

Fossile Gebäudewärme kann nicht zu 100% durch grünen Strom ersetzt werden!

Um CO2-Null zu erreichen, müssen wir die gesamte Energieversorgung in Deutschland zu ca. 95% auf Wind- und Solarstrom (EE-Strom) umstellen. Strom würde damit praktisch zur einzigen THG-freien Primärenergie-Quelle. Der durch Biomasse abdeckbare Anteil, kann gemessen an der erforderlichen Gesamtenergiemenge vernachlässigt werden. Und die Masse des aus Energie­pflanzen erzeugten Biogases ist wegen der durch die Düngung verursachten THG-Emissionen
(à N2O) auch nicht klimaneutral. Auch der derzeit gehypte Wasserstoff ist bei Wärme keine Alternative zu Strom. Denn Wasserstoff muss unter hohen Verlusten aus Strom erzeugt werden und ist deshalb energetisch ineffizient und teuer. Wasserstoff darf nur für Sonderzwecke erzeugt und verwendet werden, z.B. in der Stahl- und Chemieindustrie, in Restbereichen des Güter- oder Personenverkehrs oder als Speichermedium zur Überbrückung von Dunkelflauten. Das heißt: Für Gebäudewärme und Klimatisierung muss in Zukunft EE-Strom verwendet werden. Aber es darf dafür nur ein Bruchteil des heute und künftig erzeugten EE-Stroms verwendet werden.

Für CO2-Null muss der Wärmeverbrauch in Gebäuden um 80% gesenkt werden!

Das heißt: Der Energieverbrauch für Wärme und Klimatisierung in den Gebäuden muss verglichen mit heute extrem gesenkt werden. Das sehen wir im Verhältnis zur derzeit verbrauchten Gesamt­energiemenge von ca. 2500 TWh in Deutschland. Wenn Strom für CO2-Null zu dem fast einzigen Energieträger werden muss, kann unmöglich die gesamte derzeit benötigte Energiemenge kom­plett durch Strom ersetzt werden. In 2020 wurden laut Fraunhofer Institut für Solare Energie­systeme  ca. 490 TWh Strom er­zeugt, davon stammten ca. 250 TWh aus regenerativen Quellen. Würde also die derzeit benötigte Gesamt-Energiemenge durch Strom ersetzt, müsste die Strom­erzeugung aus regenerativen Quellen um ca. das 10-fache gesteigert werden. Andererseits gehen viele Expert:innen (Fraunhofer, AGORA etc.) davon aus, dass wir in einer CO2-freien Zukunft durch gesteigerte Energieeffizienz nur ca. 800 bis 1100 TWh Strom brauchen werden. Das bedeutet allerdings massive Energie­einsparungen in vielen Sektoren, vor allem auch im Gebäude­sektor!

Die Energiewende zu CO2-Null funktioniert nur,

wenn im Gebäudesektor eine Energieeinsparung um ca. 80%

auf nur noch 20% vom heutigen Verbrauch erreicht wird.

Die Wärmewende wird – neben dem Verkehr, wo ebenfalls 80% Einsparung gefordert ist – also zum Knackpunkt der Energiewende! 

Dieses Gebäudewärme-Ziel ist technisch gesehen leicht erreichbar!

Nach den von der KEAN (Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen) zitierten Daten der TU Darmstadt und des IFEU (Institut für Energie- und Umweltforschung) liegt im Gebäudebestand Deutschlands der durchschnittliche Wärmeverbrauch immer noch bei ca. 360 kWh/m2 a und  bei einem nach den Wärmeschutzstandard von 1995 erbauten Haus bei ca. 180 kWh/m2 a. Bei Häusern mit dem Isolationsstandard Effizienzhaus 40 (bis vor kurzem: KfW 40) liegt der Energie­verbrauch jedoch nur noch bei ca. 75 kWh /m2 a. (Erläuterung der Energieeffizienz-Standards finden sie im Anhang). Das heißt, allein durch optimale Isolierung aller unter ca. 20 Jahre alten Häuser auf mindestens Effizienzhaus-Standard 40, und aller älteren Häuser auf Effizienzhaus-Standard 55, kann der Energieverbrauch durch Isolationsverluste auf ca. 1/3 bis 1/4 gesenkt werden. Und mit einer Wärmepumpe als Heizung kommen dann zu jedem Kilowatt verbrauchtem Strom noch ca. 3 kWh (stromfreie) Wärme dazu. So kann die Senkung des Gebäudewärme-Energieverbrauchs auf 1/5 gut erreicht werden. Mit zusätzlicher Dach-Photovoltaik-Anlage kann in vielen Fällen sogar bei der Sanierung von Alt­bauten ein „Nullenergiestandard“ (im Jahresdurch­schnitt ist das Gebäude kein Energiever­braucher) erreicht werden. Das heißt aber: Es ist ein ordnungspolitisches und wirtschaftliches Problem und keine technisches, wenn in den nächsten 15 bis 20 Jahre nicht alle alten Gebäude energetisch saniert und auf CO2-freie Heizungen um­gestellt werden. Und vorab als Zwischenfazit für unsere städtischen Bebauungs­planer:innen: Neue Gebäude schlechter als Effizienzhaus-Standard 40 dürfen ab sofort nicht mehr zugebaut werden!

Damit diese Wärmewende klappt, sind auf der 

Umsetzungsebene
die Kommunen verantwortlich.

Kommunale Wärmeplanung – woanders schon Realität, aber noch nicht in Celle!

Die Energieagentur des Landes Niedersachsens (KEAN) stellt fest „Die kommunale Wärme­planung ist (in NDS zwar noch) keine kommunale Pflichtaufgabe. Ungeachtet dessen ist die CO2-neutrale Wärmeversorgung in der Siedlungsplanung von zunehmender Bedeutung.“ Deshalb fordert sie die Kommunen dringend zur Erstellung von Wärmeplänen auf. Die KEAN stellt den Kommunen dazu Planungsunterlagen zur Verfügung: Den allgemeinen Leitfaden Kommunale Wärmeplanung sowie die Arbeitshilfen zu Bestandsaufnahme: Daten und Daten­quellen; Energieeffizienzpotenziale im Gebäudebereich; Nachhaltige Wärmepotenziale und Technologien; Wärmeversorgungsstrukturen im Quartier; Beispiele kommunaler Wärme­planung und Wärmeversorgung; Fördermöglichkeiten. Ein Angebot, das bislang offensichtlich von Celles Verwaltung nicht genutzt wird. Stattdessen werden z.T. bis zu 15 Jahre alte, klimaschädliche Bauplanungen abgearbeitet (siehe Aller-Insel). Immerhin haben bereits 13 Kommunen in Niedersachsen – auch ohne Zwang, sondern aus Einsicht – mit der Umsetzung von Wärmeplanungsprojekten begonnen und beweisen, dass vieles geht.

Wie funktioniert Kommunale Wärmeplanung?

Seit Herbst 2020 gibt es z.B. in Baden-Württemberg ein Gesetz, das Kommunale Wärmeplanung vorschreibt. Nachfragen in BW ergaben: Einige Kommunen werden bereits jetzt, die meisten in spätestens ca. 6 Monaten ihre Konzepte vorlegen können. Ja - 11 Kommunen haben bereits in der Vergangenheit Klimaschutzteilkonzepte mit integrierter Wärmeplanung oder Energieleitpläne erstellt. Teilweise liegen vor Ort Bausteine eines Wärmeplans vor wie z.B. ein Wärmekataster oder Maßnahmengebiete. Daneben kommen recht ausgereifte Konzepte für den Sektor Wärme in den Kommunen Stuttgart und Mannheim. (Wir zitieren das Beispiel BW nur, um zu zeigen, wie flink Verwaltungen sein können, wenn sie wollen oder müssen). Anlehnend an die Bestimmungen in BW könnte man bereits jetzt auch in Celle lernen, in welchen Schritten Kommunale Wärme­planung funktioniert:

Feststellung Bestand und Einsparpotenziale des Energiebedarfs: Erhebung des aktuellen Wärmebedarfs und -verbrauchs und der daraus resultierenden Treibhausgas-Emissionen ein­schließlich Informationen zu den vorhandenen Gebäudetypen und den Baualtersklassen, der Versorgungsstruktur aus Gas- und Wärmenetzen, Heizzentralen und Speichern sowie Ermittlung der Beheizungsstruktur der Wohn- und Nichtwohngebäude.

Potenzialanalyse erneuerbare Energien und Nutzung von Abwärme: Ermittlung der Potenz­iale zur Energieeinsparung für Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme in den Sektoren Haushalte, Gewerbe-Handel-Dienstleistungen, Industrie und öffentlichen Liegenschaften sowie Erhebung der lokal verfügbaren Potenziale erneuerbarer Energien und Abwärme-Potenziale.

Entwicklung von Untersuchungsgebieten: Entwicklung eines Szenarios zur Deckung des zukünftigen Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien zur Erreichung einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Dazu gehört eine räumlich aufgelöste Beschreibung der dafür benötigten zukünftigen Versorgungsstruktur im Jahr 2050 mit einem verbindlichen (!) Zwischenziel für 2030. Dies gelingt durch die Ermittlung von Eignungsgebieten für Wärmenetze und Einzelversorgung.

Lokale Wärmewendestrategie mit verbindlichen Umsetzungsschritten: Erstellung eines Transformationspfads zur Umsetzung des kommunalen Wärmeplans. Mit Beschreibung der Maß­nahmen für die Erreichung der erforderlichen Energieeinsparung und den Aufbau der zukünftigen Energieversorgungsstruktur. D.h., nicht nur Absichtserklärungen und Angabe von Zielen, sondern vor allem auch ausgearbeitete Maßnahmen, Umsetzungsprioritäten, Etats und Zeitplan für die nächsten Jahre.

Ist Kommunale Wärmeplanung juristisch überhaupt möglich?

Im Baugesetzbuch (BauGB) wird der Klimaschutz als wichtiger Abwägungsbelang hervor­gehoben. Bereits in der Klimaschutznovelle des BauGB vom 22.07.2011 wurde zur Kon­kretisierung des Klimaschutzzieles in § 1 Abs. 5 Satz 2 festgelegt:

"Bauleitpläne sollen dem Klimaschutz

und der Klimaanpassung Rechnung tragen“
.

Auch der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags stellte bereits 2009 in einem Gutachten die „Zulässigkeit von Bebauungsplänen in Bezug auf die Festschreibung und den Nutzungszwang bestimmter Heizenergiearten“ fest. Zum Beispiel wurde auf Nachfrage bei der KEA BW bestätigt, dass dort die Vor­gabe von Passivhaustandard in den Bebauungsplänen vieler Kommunen inzwischen üblich ist. Allerdings gibt es aus Kreisen der Immobilienwirtschaft das interessiert gestreute Gerücht, gesetz­lich vorgeschriebene Energiesparhäuser seien nicht mehr förderfähig. Prof. S. Klinski erklärte jedoch 2021 in einem Gutachten für die DENEFF (Deutsche Unternehmensinitiative Energie­effizienz): „Für technische Maßnahmen zur Erfüllung der Anforder­ungen und Pflichten, die in diesem Gesetz (BEG) oder in den auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Rechtsverordnungen für Neubauten und bestehende Gebäude aufgestellt werden, kann der Eigentümer Fördermittel aus dem Bundesförderprogramm für energieeffiziente Gebäude erhalten, sofern die Anforderungen des BEG mit den Maßnahmen erfüllt werden.“ Die prinzipielle Förderbarkeit von nach in Bebauungs­plänen vorgeschriebenen Energiestandards errichteten Häusern wurde CWC auch durch eine Anfrage bei der KfW bestätigt. Fazit: Über ihre Bebauungs­pläne kann die Stadt sehr wohl hohe Energiestandards der Häuser (z. B. „Nullenergiehaus“, Passiv Haus oder Energie Plus Haus), Heizungsarten (z.B. Wärmepumpe) oder Anschluss an (Nah)-Fernwärme (aber auch z.B. PV-Dach-Anlagen oder Nutzung von Solar­thermie) durch­setzen. 

Celler Bebauungspläne bislang ohne verbindliche Klimaschutzauflagen

Ob „Blaues Land“ (90 Bauplätze) oder „Im Tale“ (110 Bauplätze), in den Bebauungsplänen für die aktuellen größeren, überwiegend EFH-Neubaugebiete in Celle taucht der Aspekt Klimaschutz nicht einmal auf, und es werden keinerlei Vorgaben bzgl. Energiestandard der Neubauten oder der Heizsysteme gemacht. Und ganz selbstverständlich – man fühlt sich mindestens 20 Jahre zurück­versetzt – erfolgt die Verkehrsanbindung der Neubaugebiete, wie es noch (!) in der Vorlage zur Aktualisierung des Flächennutzungsplans der Stadt Celle heißt, durch das Verkehrsmittel Nummer 1 in Celle, den privaten Pkw - oder in der Anpreisung fürs „Blaue Land“ des Immobilien­entwicklers NLG: „Verkehrsanbindung über B191“. Von familienfreundlichen Fuß- und Fahrrad­wegen oder eng getaktetem ÖPNV ist da keine Rede. Immerhin wurde nach starkem Bürger:­innen-Protest das „Wohngebiet zwischen Zugbrückenstraße und Klein Hehlener Bach“ wegen der dafür notwendigen Abholzung des Kollerschen Walds zunächst „zurückgestellt“. (In dessen Bebauungsplan tauchte immerhin der Klimaschutz mit der Vorgabe von KfW 55 als Energie­standard auf. Wahrscheinlich sollte das die Abholzung des Walds „versüßen“). Ein kleiner Licht­blick: Im geplanten Baugebiet „Am Vorwerker Bach“ (ca. 20 Bauplätze) soll (!) nachhaltig, öko­logisch und unter optimaler Nutzung Erneuerbarer Energien gebaut werden. Einen verbind­lichen (!) Bebauungsplan gibt es jedoch noch nicht.

Auch bezahlbarer Wohnungsbau kann nachhaltig und klimafreundlich sein!

Dass Celle in seinen großen Neubaugebieten vor allem auf Einfamilienhäuser setzt, ist eine Fehl­entwicklung und offenbart ein in Vorklimawandelzeiten verhaftetes Denken. Denn …

EFH sind bezüglich Nachhaltigkeit

und Energieeffizienz die schlechteste Lösung.

Die Begründung der Stadt Celle, warum es keine Klimaschutzauflagen in den Bebauungsplänen gebe, ist u.a. dem Konzept einer angeblich „Familienfreundlichen Stadt“ geschuldet. Junge Familien wollen angeblich nur EFH, und durch Klimaschutzauflagen verteuerte Baukosten würden den Zuzug junger Familien nach Celle ver­hindern. Das heißt aber auch: Was junge Familien betrifft, wäre Celle bei seinen Neubau-Projekten auf den Zuzug überdurchschnittlich verdienender und gutbeerbter Bauherren/frauen angewiesen. Würde man sich jedoch beim Neubau auf für Jedermann/frau bezahlbaren Wohnraum in größeren, kompakten Wohnanlagen beschränken, entfiele auch der Flächenfraß für immer mehr Neubaugebiete. Natürlich geht es auch anders als mit überteuerten, nicht mal klimagerechten EFH. Zum Beispiel gibt es bereits in Tübingen, Bamberg und Nürnberg nach dem Effizienzhaus-Standard 40 errichtete Wohnanlagen. Bei bis zu 40% dieser Wohnungen liegen die Mietpreise zu 30% unter dem örtlichen Miet­spiegel - mit einer Bindung von 25 Jahren. Diese klimafreundlichen Wohnan­lagen besitzen gemeinschaftliche Flächen, begrünte Innenhöfe, Spielstraßen, Gemeinschafts­räume und sehen auch Senioren-WGs und integrative Wohngemeinschaften vor. Und sie werden „divers“ mit Mieter:innen aller Gesell­schaftsschichten belegt. Das setzt natürlich voraus, dass man diese Projekte nicht den üblichen „Immobilien-Entwicklern“ überlassen darf. Dass bezahlbares Bauen und Wohnen auch in Celle mit relativ hohem Energiestandard gelingen kann, zeigt das Projekt Wittinger Straße der Allerland alias WBG (s.u.).

Wird Celle ausgerechnet durch Tiny Houses für junge Leute attraktiv?

Ein Vorzeigeprojekt der Celler Bauplanung ist ein Tiny House Projekt. In der Steinfurt“ im Stadtteil Altstadt-Blumlage sollen auf zwischen 260 m2 und 315 m2 großen Grundstücken bis zu 18 Tiny Houses mit max. 50 m2 Grundfläche entstehen. Das hat nichts mit Wohnwagenromantik und spartanischem Leben im Bauwagen zu tun, sondern ist knallhartes Immobilienbusiness (allein für das Haus muss bei 20m2 mit ca. 50.000 Euro und bei 50m2 mit mindestens 85.000 Euro gerech­net werden). Aber Tiny Houses sind in den meisten Fällen auch ökologischer Wahnsinn:

Dieselbe Gesamt-Wohnfläche in Form eines  kompakten

Appartementhauses würde beim
Bau weniger Material,

Energie und Geld
verschlingen und wäre auch beim

Betrieb wesentlich energieeffizienter.

Auch der Flächenfraß wäre geringer, und eine große, mit vielen Bäumen und Gärten versehene Gemeinschaftsfläche würde zumindest langfristig zur CO2-Senke und in heißen Sommern zur Oase. Die Tiny Houses, so die Behauptung, seien besonders für junge Leute attraktiv. Doch mal abgesehen davon, ob die jungen Leute dies tatsächlich bezahlen können, wenn sie wirklich so gerne auf kleinem Raum leben möchten: Wären da sanierte, zu günstigen Mieten angebotene Wohnungen in der Altstadt nicht auch für junge Leute die bessere Lösung? Und das würde darüber hinaus zur Belebung der Altstadt beitragen. Vielleicht müsste man die hierzu die Beispiele anderer, erfolgreicherer Städte studieren (siehe auch Broschüre "Historische Stadtkerne – integriert denken und handeln" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung).

Schlechtes Beispiel: Bebauung der Aller Insel

Ein schlechtes Beispiel in Sachen Klimaschutz ist die Allerinsel. Schon im Bebauungsplan für diese über 200 Wohneinheiten waren keine Klimaschutzauflagen zu finden. Und statt wie ursprüng­lich vorgeschlagen, das neue Wohn­gebiet klimafreundlich durch Nahfernwärme aus mittel­tiefer Geothermie zu versorgen, wurde dann eine Entscheidung für ein Erdgas betriebenes BHKW getroffen.

Ein BHKW, das mindesten 15 weitere Jahre genau so viel

CO2 emittiert, als hätte man eine billige Gasheizung

eingebaut,
ist alles andere als zeitgemäß!

Das DIW und andere sagen, dass zur Erreichung der deutschen Klimaziele der Erdgasverbrauch in Deutschland bis 2030 halbiert werden muss, und da baut Celle immer noch Erdgasverbraucher zu. Diese Entscheidung fiel, obwohl aufgrund von geologischen Vorerkundungen an diesem Standort mitteltiefe Geothermie, genug CO2-freie Wärme geliefert hätte. Und Celle hätte damit zu einem Leuchtturm in Sachen Geothermie werden können. Auch das damals in diesem Zusam­men­hang angeführte Argument, statt Erdgas könne man für das BHKW auch Biogas verwenden, ist irreführend. Biogas aus Mais ist klima- und umweltschädlich. Und auch das Argument, mittel­tiefe Geothermie wäre zu teuer gewesen, ist nur stichhaltig, da die Stadt bzw. der Bauträger ent­weder unfähig oder unwillig waren, die für solche Projekte möglichen Fördermaßnahmen zu nutzen.

Gute Beispiele: Wittinger Straße und Windmühlenstraße

Allerland (ehemals WBG), die städtische Wohnbaugesellschaft in Celle, errichtet eine unter einigen Aspekten vorbildliche Wohnanlage in der Wittingerstraße mit 38 Wohnungen in zwei Gebäudeeinheiten. Bei einer Miete von 5,80 Euro/m2 werden die Wohnungen an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vergeben. Abgesehen von der mit dem Bau dieser Anlage verbund­enen Baumrodung erscheint die Anlage bezüglich Klimaschutz weitgehend vorbildlich. Die nach Effizienzhaus-Standard 55 gebaute Anlage besitzt Fußbodenheizung, und die Heizungs­wärme wird über Wärmepumpen aus oberflächennaher Geothermie erzeugt. Da die Häuser gleichzeitig Photovoltaikanlagen besitzen, kommen sie ohne Erdgasanschluss und im Jahres­durchschnitt ohne externe Energiezufuhr aus. Die Anlage sieht zwar noch Stellplätze für Pkws vor, doch es gibt eine Bushaltstelle vor der Tür sowie Ladestationen für E-Bikes, und es soll auch E-Car-Sharing eingerichtet werden. In der Windmühlenstraße leistet Allerland un­einge­schränkt Vorbildliches, sie baut 21 neue Wohnungen und modernisiert 45 Bestands­ein­heiten energetisch. Alle Wohnungen werden sukzessive an zwei zentrale geothermische Anlagen mit Wärmepumpen angeschlossen und so beheizt und mit Warmwasser versorgt. Dadurch können jährlich 34 Tonnen CO2 eingespart werden, das entspricht schon jetzt einem Minus von 27 % gegenüber einer konventionellen Gas-Brennwertanlage. In Zukunft wird bei Betrieb der Wärmepumpen mit 100% erneuerbarem Strom gar kein CO2 mehr emittieren. Doch auch bei der Allerland gibt es bzgl. Klimaschutz noch Verbesserungspotenziale. Sie müsste in Zukunft bei allen Neubauten und bei Altbausanierungen (nach Möglichkeit) den Effizienzhaus-Standard 40 sowie Heizung mit Wärmepumpen und PV-Anlagen verwirklichen. Das müsste bei Ausschöpfung aller Fördermittel möglich sein. Bei diesem Standard würde nämlich auch bei sonnenschwachen Wintertagen der zusätzlich zum PV-Strom nötige, externe Strom minimiert.

Serielles Sanieren erreicht Nullenergie-Standard im Altbestand

Celle hat einen relativ hohen Bestand an Mehrfamilienhäusern aus den 1950er und 1960er Jahren, sie würden sich besonders kostengünstig und Bauzeit verkürzend für Serielles Sanieren eignen. Dabei werden digital berechnete, vorgefertigte Fassadenelemente inklusive Fenster inner­halb von wenigen Tagen vor die Altfassaden gesetzt. Damit können auch bei Altbauten kosten­günstig höchste Isolationsstandards erreicht werden. Zusammen mit einer Umstellung auf CO2-freie Heizungen (siehe nächster Absatz) sowie PV-Dachanlagen werden so Altbauten zu Null­energie-Häusern. („Nullenergie-Häuser“ meint Häuser, die im Jahresschnitt praktisch keine Fremdenergie verbrauchen, d.h. nur ca. 90 Tage im Jahr Fremdstrom aufnehmen, aber die rest­liche Zeit Strom liefern). Serielles Sanieren – in den Niederlanden seit vielen Jahren bewährt – wird inzwischen auch vom BMWi und der Deutschen Energie-Agentur (dena) empfohlen. Höchste Zeit, sich auch in Celle damit zu befassen!

Mit den goldenen Zeiten der Erdöl- und Erdgas-Hauptstadt Celle ist es vorbei!

Fast alle Firmen der ITAG-Gruppe sind pleite, Baker Hughes baut weiter ab und auch bei vielen Zulieferern herrscht Alarmstimmung. Der Niedergang der fossilen Energien reißt wichtige Teile der Celler Wirtschaft mit. Fakt ist: Der Einbruch bei den Zulieferern und Dienstleistern der Erdöl- und Erdgasindustrie wird sich über die nächsten 10 Jahre fortsetzen. Im Großen hat das die Finanz­wirtschaft längst erkannt, immer mehr Fonds und Großinvestoren ziehen sich aus den fossilen Energien zurück (u.a. Norwegischer und Schwedischer Rentenfonds oder sogar die ursprünglich mit Ölgeld aufgebaute Rockefeller Stiftung). Es wird also Zeit, dass die Wirtschaftsförderung der Stadt Celle gegensteuert und die Stärkung und Ansiedlung von Firmen der erneuerbaren Energien zu einem Schwerpunkt macht. Nicht, weil das gerade im Trend liegt (auch dann wäre es nicht falsch), sondern weil Celle beste Voraussetzungen dafür mitbringt. Denn viele Technologien der Erdöl- und Erdgasförderung können prinzipiell auch im Bereich der Geothermie eingesetzt werden.

Bei einer Transformation in Richtung Geothermie

könnte das Knowhow vieler in Celler bereits

existierender Firmen weiter genutzt werden.

Celle muss zu einem florierenden Geothermie-Schwerpunkt werden!

Celle ist nicht nur Standort des Vertriebs eines großen europäischen Wärmepumpenherstellers, es gibt auch eine ganze Reihe von Fachfirmen für deren Installation und Wartung. Auch Firmen des Brunnenbaus könnten angesichts der Klimawandel bedingten Probleme bei der Feldbereg­nung im Bereich oberflächennaher Geothermie mehr als kompensierenden Umsatz finden. Von Seiten der Allerland (s.o.) ist die Bedeutung CO2-freier* Heizung mittels Wärmepumpen offenbar erkannt. Auch einzelne private Bauherren/frauen interessieren sich zunehmend für Wärme­pumpen oder haben bereits ihre Heizungen damit ausgestattet. Großer Nachholbedarf besteht vor allem noch bei der energetischen Sanierung und Heizungs-Umrüstung privater Altbauten. Aber auch bei den Gebäuden von Stadt und Landkreis muss ab sofort (!) bei Neubau und Sanierung auf Wärme­pumpen oder andere CO2-freie Heizungen umgestellt werden (s. auch bei den Ab­sätzen zu „Fernwärme und Tiefe Geothermie“). Bislang galt der Vorbehalt, wegen der geringeren Vorlauf­temperaturen bei modernen Fußbodenheizungen (max. 45 °C) sei die Umrüstung auf Wärme­pumpen für Altbauten mit Heizkörpern ungeeignet. Doch moderne, doppel­stufige Wärme­pumpen liefern heute auch die dafür nötigen Vorlauftemperaturen von ca. 65 °C und mehr. Leider wird in Sachen CO2-freie Heizungssanierung auch in Celle, auf Seiten der Nachfrage oft noch über mangelnde Beratung, zu lange Wartezeiten und auf Seiten der Anbieter über Mangel an Fach­kräften geklagt. Das würde sich schnell ändern, wenn die Stadt Celle bei ihrer Bauplanung und bei der Beratung der Bürger:innen bei Neubau und Altbausanierung ein­deutig auf Geothermie setzen würde.  Dann hätten alle bereits vorhandenen einschlägigen Firmen und auch die bald dazu kommenden Startups Planungssicherheit und Celle könnte innerhalb weniger Jahre zum Leuchtturm bei der Nutzung oberflächennaher Geothermie werden. Allerdings hat Celle auch ein gewisses, bislang ungenutztes Potenzial bei Mitteltiefer und evtl. auch Tiefer Geothermie!
*CO2-frei arbeiten Wärmepumpen natürlich erst mit 100% EE-Strom, aber das müssen wir ja bis 2035 erreichen. 

Das Knowhow für Tiefe Geothermie steht in Celle auf Abruf! 

Bei Tiefer Geothermie wird durch eine erste tiefe Bohrung (ca. 1500 m bis 3500 m) das heiße Wasser mittels Pumpe entnommen, die Wärme über Wärmetauscher in ein Fernwärmenetz eingespeist, und dann wird über eine zweite Bohrung das abgekühlte Wasser in die Tiefe zurück­befördert. Der Vorteil: Bis auf die relativ geringe Strommenge für die Pumpen braucht ein Fern­wärmenetz auf Basis von Tiefer Geothermie praktisch keine zusätzliche Energie. Celle liegt geo­logisch in einem Bereich, in dem in Tiefen von ca. 3000 m Temperaturen von 90 °C bis ca. 120 °C bestehen. Dies wurde bereits in den letzten 20 Jahren in geologischen Voruntersuchungen und Erkundungen bestätigt, wofür die Stadt und die WBG insgesamt immerhin 375.000 Euro für Machbarkeitsstudien ausgaben. Dies wurde bislang allerdings nicht bis zur Findung tatsächlich nutzbarer Wasser­schichten fortgeführt (siehe nächster Absatz).  Da praktisch alle Techniken der Erd­gas- und Erdölförderung auch auf die Tiefe Geothermie anwendbar sind, wäre Celle deshalb prädestiniert, zu einem Schwerpunkt bei der Nutzung Tiefer Geo­thermie zu werden. Nicht ganz zufällig wurde 2014 der Drilling Simulator Celle (DSC) als Forschungs­zentrum der TU Clausthal mit der Begründung „Förderung der Tiefen Geothermie“ mit staatlichen Geldern eingerichtet. Seitdem forscht der DSC, neben Aufträgen aus der Erdöl- und Erdgas­industrie, an der simulierten (!) Optimierung der Bohr­prozesse in der Tiefen Geothermie und konnte jüngst dafür sogar in Moskau einen Preis der russischen „Gubkin-Universität für Erdöl und Erdgas einheimsen. Zur praktischen Anwendung der Erkenntnisse des DSC für die Erschließ­ung Tiefer Geothermie in Celle ist es aller­dings bislang nicht gekommen.

Tiefe Geothermie im Stadtgebiet Celle erscheint auf absehbare Zeit problematisch.

Der große Nachteil Tiefer Geothermie sind die hohen Bohr- und Einrichtungs-Kosten, weshalb sie sich nur für Fern­wärmenetze – also die Versorgung vieler Gebäude – wirtschaftlich lohnt. D.h.: Celle müsste dafür ein Wärmenetze aufbauen. Das zweite Problem, das die Nutzung in Celle verhindert, ist das hohe finanzielle Risiko bei der Bohrung nach wirklich nutzbarer (!) Tiefenwärme. Zwar weiß man in Celle bereits, dass relativ heiße Schichten im Untergrund vorhanden sind, aber es ist ungeklärt, ob sie als sog. Aquifere auch genug nutzbares Wasser führen. Denn wenn heißes Wasser abgepumpt wird, muss auch genug heißes Wasser nachfließen. Und an genau welchen Stellen und in welchen Tiefen das in Celle der Fall ist, ist bislang äußerst unsicher. Aufgrund dieser Unsiche­rheiten kann es deshalb sein, dass nicht bereits die erste Tiefen-Bohrung fündig wird, es könnten auch weitere nötig werden. Doch jede Bohrung kostet bis zu 6 Mio. Euro. Und speziell im Gebiet Heese, unter dem 2013 in ca. 270 m Tiefe bis zu 125 °C vermutet wurden, zeigte sich auf Grundlage des Erkenntnisstands bis 2017, dass die Existenz durch­gängig wasser­führender Schichten zu wenig wahrscheinlich ist. Deshalb sind und waren die Bemühungen ver­geblich, Privatinvestoren für Tiefe Geothermie in Celle zu finden. Und auch ein öffentlich-recht­liches Unter­nehmen wie die Stadt­werke wird ohne Absicherung solche Projekte nicht tragen können. Tiefe Geothermie funktion­iert eben nur, wenn das Fündigkeitsrisiko durch Versicherungen abgedeckt werden kann. Doch die werden von der Versicherungswirtschaft derzeit nur noch in Oberbayern angeboten, wo die Fündigkeit aufgrund der besonders „breiten und dicken“ Aquifere bei über 95 % liegt. Dagegen werden wegen der komplexeren Hydrogeo­logie in Norddeutschland für Tiefe Geo­thermie keine Versicherungen mehr angeboten. Die Niederlande machen das längst anders: Ein Gesetz schreibt als Förderkriterium für Wärmeprojekte vor, dass stets auch die Nutz­ung von Mitteltiefer und Tiefer Geothermie überprüft werden muss. Dazu wurde in NL ein Förder­programm von 60 Mrd. Euro aufgelegt, und langfristig sollen 20% des Gesamtenergie-Bedarfs der Nieder­lande dadurch abgedeckt werden. Die Erdgas- und Erdölindustrie müssen all ihre geolog­ischen Daten zur Verfügung stellen, jede einzelne Bohrung wird staatlich bezuschusst und das Ausfall­risiko wird zu fast 100% durch eine (letztlich) staatlich abgedeckte Versicherung über­nommen. Zwar haben in den letzten Jahrzehnten rund um Celle die Unternehmen der Öl- und Erdgas Industrie viele Probebohrungen gemacht, wobei „not­gedrungen“ auch alle Wasser­schichten miterfasst wurden. Und durch das 2020 geänderte Geologie­­-Daten-Gesetz könnten diese Daten der Fossilindustrie zur noch genaueren Erfassung der Celler Geo­thermie-Verhält­nisse voll aus­gewertet werden. Doch anscheinend wird ohne wirtschaftlich abgesicherte Projekte diese Möglich­keit derzeit noch nicht umfassend genutzt. Kurzum, ohne massive staatliche Unter­stützung wird die Tiefe Geothermie im Stadtgebiet Celle wohl auf absehbare Zeit auf Eis liegen. Allerdings gibt es inzwischen Bestrebungen, die Suche nach Geothermie statt auf höchste Wasser-Temperaturen auf die Förderbarkeit ausreichender Wassermengen zu konzentrieren. So würden die wirtschaft­lichen Risiken erheblich minimiert. Erste Erkundungsbohrungen bzw. Nutz­ung bestehender still­gelegter Erdgas­bohrungen bei Walsrode bzw. Munster zeigen, dass in Tiefen zwischen 1000 m und 2000 m ergiebige Aquifere vorliegen mit Temperaturen von bis zu 75 °C. Im Norden des Landkreises Celle besteht bei Faßberg, Müden, Unterlüß, Bergen und Hermannsburg ebenfalls beste Fündigkeitsaussicht. Gute Aussichten, denn Temperaturen über ca. 70 °C reichen für die direkte Ver­wendung für Wärmenetze in Neubaugebieten aus. Für Altbaugebiete oder gemischte Gebiete, oder wenn das Geothermiewasser unter 70 °C liegt, müsste die Temperatur auf ca. 85 °C an­gehoben werden, was mit Großwärmepumpen gut möglich ist. (In Erding oder Straubing wird Geo­thermie in Kombination mit Wärmepumpe bereits seit Jahrzehnten erfolgreich genutzt). Sollten die Projekte im Norden des Landkreises erfolgreich sein, sollte Celle auf seinem Stadt­gebiet nachziehen, denn im Süden der Stadt (Westercelle) bestehen ebenfalls gute Aus­sichten auf Fündigkeit im Bereich mitteltiefer Geothermie.   

Ob Neubaugebiete oder Altbestandssanierung Celle braucht Wärmenetze!

Egal ob Neubaugebiete mit EFH, Blockbebauung oder Sanierung von Altbauten oder Altbaugebieten, alle Expert:innen sind sich einig:

Die Ausstattung mit Einzelheizanlagen ist energetisch

und wirtschaftlich ineffizient, zumal bei

Nutzung erneuerbarer Energiequellen.

In der Regel ist es weder energetisch noch wirtschaftlich sinnvoll, einzelne Wohnungen, Häuser ja selbst größere Wohnblocks jeweils separat für sich alleine auf CO2-freie Heizungssysteme um­zustellen. Oft ist der Einsatz individueller Wärmepumpen bei der Sanierung einzelner EFH, ja so­gar beim Neubau von EFH, suboptimal. Jedenfalls ist bei vielen Mehrfamilienhäusern, größeren Wohnblocks, aber auch bei Häuserzeilen in dicht bebauten Straßenzügen der Einsatz von indi­viduellen Wärmepumpen oft technisch schwierig oder sogar unmöglich. Für Erdwärmepumpen fehlt oft der Platz für Flächenkollektoren bzw. Erdsonden-Bohrungen, oder Letztere lägen zu dicht, oder Luft-Wärmepumpen führten zu Lärmbelästigung. Wie alle Expert:innen sagen, liegt die Lösung in Wärmenetzen. Das heißt nicht, dass auf einen Schlag ein flächendeckendes Fern­wärmenetz für ganz Celle aufgebaut werden müsste. Das sollte Straßenzug für Straßenzug, Quartier für Quartier umgesetzt werden. Auch große Städte wie München haben mal klein angefangen, aber auch kleine Städte wie z.B. Lemgo (41.000 Einwohner) oder Flensburg (90.000 Einwohner) besitzen bereits Fernwärmnetze. Eine Möglichkeit ist, dass das Netz mit ca. 85 °C heißem Wasser aus mehreren im Netz verteilten Groß-Wärmepumpen versorgt wird und dann die Heiz- und Brauchwasser­wärme (Legionellen frei) über kleine kompakte Wärmeaustauscher in die Häuser eingespeist wird.

Es wäre aber auch möglich, eine sog. Kalte Fernwärmeversorgung aufzubauen. Dazu wird das an einer oder mehreren Stellen im Stadtgebiet mit Tempera­turen von ca. 8°C bis 10 °C entnommene Grundwasser im Leitungsnetz zwischen den Gebäuden umgepumpt, und in jedem Haus befindet sich eine Wärmepumpe, die dieses Wasser als Wärmquelle nutzt. Vorteil sind evtl. billigere, da nicht isolierte Leitungen, sowie eine individuellere Anpassung der Wärme­pumpen an die in jedem Gebäude nötigen Vorlauftemperaturen. (Übrigens im Sommer könnte ein solches Netz auch zur Kühlung der Gebäude eingesetzt werden.) Die Frage ist, wer baut ein solches Wärmenetz auf? In Celles kleiner Nachbargemeinde Ahnsbeck (mit 1.600 Einwohnern) hat dies eine von den Bürger:­innen gegründete Energiegenossenschaft gemacht. Das dortige Fernwärme­netz wurde durch Aus­schöpfung aller Fördermöglichkeiten kostengünstig umgesetzt. Und die beteiligten Bürger genieß­en zu Preisen im Schnitt knapp unterm Gaspreis alle Vorzüge eines „Sorglos“-Heizsystems (ohne Kosten für Wartung, Reparatur und Erneuerung von Heizanlagen im eigenen Haus). Da eine Stadt wie Celle natürlich etwas „komplexer“ aufgebaut ist als solch eine kleine Gemeinde, müsste in Celle der Aufbau eines Wärmenetzes z.B. von den Stadtwerken über­nommen werden. 

Ein personell gut ausgestattetes Klimaschutzeferat mit Entscheidungskompetenz

Der aktuellen Stellen­ausschreibung für eine(n) Klimaschutzbeauftragte(n) der Stadt Celle ist zu entnehmen, dass die gesuchte Person mindestens fünf Aufgabengebiete abdecken müsste, wofür eigentlich jeweils mindestens (!) eine Arbeitskraft nötig wäre. Ein(e) einzige Klimaschutzbeauf­tragt­e(r) für eine angeblich „zukunfts­orientierte Stadt“ deutet für eine Stadt von Celles Größe eher auf Rückwärtsgewandtheit hin. Neue Aufgaben erfordern neue Strukturen!

Um auf dem Gebiet des Klimaschutzes aus dem Stadium

von Absichts­erklärungen und Stückwerk endlich in ein
'
Stadium zielgerichteter Umsetzung zu gelangen,

benötigt die Stadt Celle ein eigenständiges Klimaschutzreferat

mit mindestens fünf* Mitarbeiter:innen.

Wichtig ist, dass diesem Referat Entscheidungskompetenz zugeordnet ist, und es nicht mehr nur Anhängsel des Baureferats bleibt. Auch das Argument, die verschuldete Stadt Celle könne sich nicht mehr Personal leisten, stimmt nur bedingt. Nicht nur der Bau von Autostraßen, auch der Klimaschutz erfordert Investitionen, die nicht in Form eines „Klimaschutzfonds“ gespeist von  „Spenden“ aus der fossilen Industrie abgedeckt werden können. Übrigens: Der Klima­wandel bewirkt einen Wandel der Aufgaben und macht sicherlich auch in Celles Verwaltung Personalum­setzungen möglich. Und dass es bei der Stadt Celle unter den derzeit 1.050 Mitarbeiter:innen viele gibt, die sich gerne neuen, zukunftssichernden Aufgaben widmen, davon ist auszugehen. 
* Fünf Mitarbeiter erscheinen auf den ersten Blick vielleicht übertrieben. Doch allein ein einziges großes Förderprojekt kann bis zu 1 Mann/Frau-Jahr verschlingen. Und wenn sich inzwischen Gemeinden mit 10000 Einwohnern eine(n) Klimaschutzbeauftragte(n) leisten, sind 5 Mitarbeiter für Celle kein Luxus, sondern Notwendigkeit.

Ein städtisches Klimaschutz-Beratungsbüro für Bürgerschaft und Handwerk 

Oft wird bei Neubau und Sanierung nicht die energieeffizienteste und wirklich CO2-vermeidende Lösung gewählt, sondern das (vermeintlich) billigste und am Schnellsten umzusetzende Angebot eines Handwerksbetriebs oder Bauunternehmens. Zwar ist jetzt nach dem neuen GEG (Gebäude­energiegesetz) stets die Zuziehung eines Energieberaters vorgeschrieben. Doch die meist übliche „08/15-Beratung“ und die Empfehlung eines „befreundeten“ Handwerkbetriebs führen meist nicht zum Klimaschutzziel, zumal wenn die „Beratenen“ danach vor einem Wust von Förderbestimm­ungen und Formularen stehen und lange Wartefristen den Baubeginn verzögern.

Die Wärmewende in Celle wird nur gelingen,

wenn alle Bürger:innen bei Sanierung und Neubau

nicht nur kompetent und neutral beraten,


sondern auch aktiv (!) unterstützt werden!

Hierzu ist eine neutrale, kostenlose, fachlich kompetente Beratung mit sofort anschließender aktiver Betreuung von Förderanträgen äußerst hilfreich. Indirekt würde eine neutrale, kompetente Beratung auch das einschlägige örtliche Handwerk fördern, da dann bevor­zugt die Unternehmen zum Zuge kommen würden, die die energieeffizientesten und zugleich kostengünstigen Lösungen anbieten. Das würde, wie schon oben gesagt, die personelle Auf­stockung bestehender Fach­firmen, aber auch Neugründungen fördern und die Wirtschaftskraft Celles stärken. Eine solche Beratungsstelle ist zwar keine Pflichtaufgabe der Stadt, würde sie aber bei ihren Pflichten in Sachen kommunale Wärmewende enorm unterstützen.  Ob diese Aufgabe der Beratung und aktiven Unterstützung auch in Form einer „Energieagentur“ umgesetzt werden kann, sei dahin­gestellt.    

Die Stadtwerke müssen Hauptakteur der Wärmewende in Celle werden!

Sowohl eine Studie des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit („Wärmeplanung als Instrument der Wärmewende“) als auch Stellungnahmen des Verbands Kommunaler Unternehm­en (VKU) als auch des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betonen:

„Den Stadtwerken fällt bei der

Kommunalen Wärmewende die Schlüsselrolle zu!“

Auch die KEAN empfiehlt z.B. den Aufbau eines Wärmenetzes durch die Stadtwerke Schleswig als Vorbild für die niedersächsischen Kommunen. Diese Rolle der Stadtwerke beim Aufbau von CO2-freien Wärmenetzen leuchtet sofort ein. Doch wir müssen darauf hinweisen, dass auch der für den Betrieb von Pumpen und Wärmepumpen nötige Strom erneuerbar sein muss. Der Aufbau von lokalen Energieinseln aus Windenergieanlage und/oder PV-Anlage (mittelfristig inklusive Elektrolyseur und Wasserstoff-Speicher zur lokalen Notstromversorgung) muss am besten mit Bürger:innen-Beteiligung von den Stadtwerken übernommen werden. Dies können die Stadtwerke Celle natürlich nicht aus bloßer Eigeninitiative anpacken, dazu bedarf es der Beauftragung und Unterstützung durch die Politik und Verwaltung der Stadt Celle!  

 

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Anhang: Was ist ein Effizienzhaus?

Ein Effizienzhaus ist ein energetischer Energiebedarfs-Standard für Wohngebäude.
Er setzt sich aus zwei Kriterien zusammen:

  • Wie hoch ist der Gesamtenergiebedarf der Immobilie?
    (Da steckt also auch der Energiebedarf der Heizung bzw. Klimatisierung mit drin.)
  • Und wie gut ist die Wärmedämmung der Gebäudehülle?

Die unterschiedlichen Zahlenwerte geben an, wie energieeffizient ein Gebäude im Vergleich zu einem Referenzgebäude ist. Dabei gilt: Je niedriger die Zahl, desto höher die Energieeffizienz und umso höher die Förderung. Als Vergleich dient ein Referenzgebäude, das den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) entspricht.

Im Vergleich zum Referenzgebäude des GEG benötigt zum Beispiel das Effizienzhaus 55 nur
55 % der Primärenergie. Zudem liegt der Transmissionswärmeverlust bei nur 70 % des Referenz­gebäudes. Der bauliche Wärmeschutz ist somit um 30 % besser.

Der gesetzliche Neubaustandard liegt bei 75 % des Niveaus des Referenzgebäudes.

Effizienzhaus-Stufen im Überblick

Effizienzhaus-Stufe

Primärenergie-
bedarf

Transmissions-
wärme­verlust

Effizienzhaus 40

40 %

55 %

Effizienzhaus 55

55 %

70 %

Sehr geehrter Herr Dr. Nigge, sehr geehrte Fraktionsvorsitzende der Parteien im Celler Rat,

mit Erstaunen haben die unterzeichnenden Gruppen sowohl die aktuelle Diskussion in den Ausschüssen und in der Ratssitzung vom 18.02.2021 zum Klima-Aktionsplan verfolgt als auch die Antwort auf die erste Stellungnahme von Parents for Future (PFF) Celle zum Plan gelesen. Unsere Irritationen beruhen auf den folgenden Aspekten:

1 Zeitliche Verschleppung der Thematik

Die Beschlussvorlage zum Klima-Aktionsplan stand seit November 2020 auf der Tagesordnung im Fachausschuss, wurde fachlich nicht erörtert und erst Mitte Februar dem Rat vorgelegt. Auch die Stellungnahme von PFF Celle zum Klima-Aktionsplan vom 14.12.2020 wurde erst Mitte Februar beantwortet. Zudem steht zu befürchten, dass die Umsetzung des Klima-Aktionsplans durch den Beschluss, ihn durch eine Gutachterfirma präzisieren zu lassen, zeitlich weiter verschleppt wird. Angesichts der dramatischen Veränderungen in der Umwelt und der daraus erwachsenen Notwendigkeit, Klimaschutz ernsthaft und zeitnah umzusetzen, ist diese zeitliche Verschleppung nicht hinnehmbar.

2 Stellenwert des Klimaschutzes in Celle

Wie bereits aus der ersten PFF-Stellungnahme hervor geht, gibt es bereits auf Kommunen zugeschnittene Vorlagen und Hilfen für die Entwicklung kommunaler Klimaschutzplanung mit entsprechendem Monitoring. Umso verwunderlicher, dass der vorliegende Plan über eine reine Sachstandsbeschreibung nicht hinausgeht. Uns fehlen die Vision und dazu passende Strategien, auch in Celle einen regionalen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und damit dazu beizutragen, dass wir auch in Zukunft alle eine Lebensgrundlage haben.

International wird gerade eine Diskussion über die Veränderung der Innenstädte nach dem Ende der Corona-Pandemie diskutiert. In vielen Städten werden dabei Klimaaspekte berücksichtigt, wird der Fokus auf kommunale Räume als Aufenthalts- und Erlebnisräume gelegt, Straßen zurückgebaut oder durch Grünflächen und Fußgänger/Radfahrbereiche aufgewertet. Diese Diskussion vermissen wir in Celle, hier werden neben kleineren Maßnahmen für den Nicht-Autoverkehr vor allem Straßen für den motorisierten Individualverkehr ausgebaut und damit Planungen verfolgt, die vor vielen Jahren begonnen wurden und nach heutigen Maßstäben nicht mehr als zeitgemäß anzusehen sind. Gerade die Verkehrspolitik ist ein originäres Aufgabengebiet der Stadt, in dem sich leichter Visionen und Strategien zur ökologisch-sozialen Wende umsetzen lassen als an anderer Stelle.

Ähnliches gilt für die Bauleitplanung, auch hier verschenkt die Stadt Chancen für einen ökologischen und klimarelevanten Wandel. (Dazu gehört u.a.auch die Kontrolle der Einhaltung von Vorgaben, z. B. bei der Zunahme an lebensfeindlichen Schottergärten in Neubaugebieten.)

Weder im Jahresrückblick 20202 noch in der Jahresplanung 20213 wird auch nur ansatzweise auf das Thema Klimaschutz eingegangen. (Cellesche Zeitung "Wir haben es geschafft an unseren Projekten festzuhalten, sie fortzusetzen und neue zu schaffen“ (27.12.2020) und Cellesche Zeitung "Brauchen auch mal klare Linien" (22.02.2021))

3 Klimaschutz als Querschnittsthema in der Verwaltung und Politik

Wie uns aktuelle Studien zeigen, sollte Klimaschutz zunehmend mehr unter sozialer und gesundheitlicher Perspektive betrachtet werden. Eine rein ökologische Perspektive reicht heute nicht mehr aus. Durch eine CO2-Reduktion im Sinne des Pariser Klima-Abkommens könnten viele vorzeitige Todesfälle jährlich vermieden werden (bessere Ernährung, Luftqualität, Fortbewegung). (https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196(20)30249-7/fulltext) "Paris" in die Tat umzusetzen ist also auch ein Gesundheits- und Lebensqualitätsprogramm. Diese Perspektiven werden im Klima-Aktionsplan und in der städtischen Diskussion nicht beachtet. Wo sind Celler:innen in ihrer Wohnumgebung besonders belastet? Mit welchen Klimaschutz-Maßnahmen kann man kleinräumig zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen? Diese Aspekte vermissen wir im Klima-Aktionsplan. Wie können sich Fachdienste in der Verwaltung vernetzen und zusammenarbeiten, um diese verschiedenen Perspektiven auf den Klimaschutz zu erfassen und danach zu handeln?

4 Reichen die Ressourcen?

Welche und wie viele Fachleute braucht die Verwaltung, um den Klimaschutz mehrperspektivisch, querschnittlich und fachlich ausreichend zu bearbeiten? Werden die vorhandenen Fachleute entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt und wie kann man sie von täglichen Verwaltungsaufgaben entlasten? Werden Klima-Förderprogramme effektiv genutzt? Gibt es eine Stelle in der Verwaltung, die Entwicklungen im Fördermanagement beobachtet und die Fachdienste der Stadt rechtzeitig informiert, damit die Förderungen in die städtische Klimaschutzplanung einbezogen werden können? In vielen Förderprogrammen wird die Vernetzung unter Kommunen unterstützt, das Lernen voneinander und miteinander. Ideenaustausch, Erfahrungsberichte, Übernahme guter Konzepte, all das kann kommunale Klimapolitik bereichern. Wo beteiligt sich die Stadt an solchen Formaten? (Beispiel: https://www.connective-cities.net/)

5 Klimaschutz geht alle an

Das Thema Klimaschutz ist lange in der Gesellschaft angekommen, das Bewusstsein vieler Menschen für die Notwendigkeit von schneller und effektiver Veränderung ist geweckt. Nicht zuletzt die Fridays for Future haben seit zwei Jahren auch in Celle beharrlich und laut nach mehr Klimaschutz gerufen und die Dringlichkeit der Maßnahmen verdeutlicht. Eine Stadt wie Celle ist deshalb gut beraten, auf ihre Bürger:innen zu hören und diese bei der Planung einer ökologischen Wende einzubeziehen, die bürgerliche Expertise zu nutzen. Genau dieses passiert aber noch nicht. Stellungnahmen von Gruppen wie den Parents for Future oder Climate-Watch-Celle werden nicht beachtet oder zurückgewiesen, die Corona-Pandemie wird genutzt, um den Runden Tisch Klimaschutz auszusetzen, obwohl sich für solche Formate Videokonferenzen längst bewährt haben. Damit vergibt die Stadtverwaltung Chancen und erzeugt Widerstände. Die zahlreichen Celler Initiativen und Verbände rund um die Themen Umwelt- und Klimaschutz stehen bereit, mit der Verwaltung und den politischen Gremien zusammenzuarbeiten, sie ggf. auch zu beraten und mit ihnen gemeinsam daran zu arbeiten, Visionen für ein klimafreundliches Celle und die Stärkung der Lebensqualität zu entwickeln und umzusetzen.

6 Besondere Relevanz für die Stadt Celle

Es wäre ein Irrglaube davon auszugehen, dass Celle weniger stark vom Klimawandel betroffen wäre als Gemeinden an der Küste, in den Bergen oder im heißen Süden – im Gegenteil, Celle stellt sich gleich in mehrfacher Hinsicht als besonders vulnerabel dar:

• Celles Bevölkerung ist mit 45,2 Jahren durchschnittlich älter als das ohnehin hohe Durchschnittsalter Niedersachsens. Alte Menschen sind von Extremwetterlagen wie Hitzewellen jedoch viel stärker betroffen als junge Menschen. Hitze führt wie Corona zu einer Übersterblichkeit: Hitzesommer wie 2003 oder 2018 erhöhten die Sterblichkeit um bis zu 15%, auch in Celle. Und noch wärmere Sommer und mehr und längere Hitzewellen werden kommen. (vgl. Landesamt für Statistik Niedersachen, https://www.nls.niedersachsen.de/gemeinden/G351006.html (Abruf 2/2021) und u.a. https://www.sueddeutsche.de/politik/klima-temperatur-bericht-1.4698326 und vgl. https://www.regionaler-klimaatlas.de/ (Abruf 2/2021))

• Die historische Bausubstanz Celles bietet wenig Hitzeschutz. Schatten spendende Bäume wurden teils gefällt, Flächen kühlender Evapotranspiration versiegelt und sich aufheizende Straßen neu- und ausgebaut.

• Die vielerorts sandigen Böden Celles speichern nur wenig Wasser und sind sehr anfällig für Degradation; die Auswirkungen von Dürreperioden und Starkniederschlägen sind deshalb besonders groß – für die Natur und Landwirtschaft. Der Grundwasserspiegel sank in den vergangenen Jahren auf einen besorgniserregend tiefen Stand. (Auskunft auf unsere Anfrage vom Februar 2021 nach dem Transparenzgesetz bei der Unteren Wasserbehörde (Lk Celle) für exemplarische Messstationen. Die Wasserstände werden als „niedrig“ bis „extrem niedrig“ bewertet.)

• Ein großer Teil der Stadtfläche Celles ist bei sog. Jahrhundertereignissen überflutungsgefährdet. Solche bisherigen „Jahrhundertereignisse“ werden in Zukunft allerdings in der Häufigkeit weniger Jahrzehnte auftreten. (https://geoportal.bafg.de/karten/HWRM/?tabs=on# (Abruf 2/2021))

Eine konservative Berechnung (DIW 2013) schätzt die Kosten des Klimawandels für Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2 Billionen €. Auf die Einwohnerzahl Celles heruntergerechnet ergeben sich Kosten durch Schäden, Anpassungsbedarf und Vorsorge von ca. 1,75 Mrd. €. Klimaschutz zum Nulltarif gibt es längst nicht mehr. Aufgabe der Stadt Celle ist es auch, Vorsorge zu treffen, dass die Stadt für zukünftige Generationen Lebens- und Wirtschaftsraum sein kann.

Mit freundlichen Grüßen, Wolfram Steinmetz (Parents for Future Celle) im Namen der folgenden Gruppierungen:

• ADFC Kreisverband Celle • Altstadt Celle neu denken • attac Celle • BUND Kreisgruppe Celle e.V. • Bunte Beete e.V. • Celler Lastenrad Initiative • Climate Watch Celle • Foodsaving Celle • Fridays for Future Celle • Land-In-Sicht-Transition (LIST) Celle • NABU Gruppe Stadt Celle e.V. • Parents for Future Celle • Refill Celle • VCD Kreisgruppe Celle

Klimaschutz bisher kaum mehr als innerbetriebliche Nachhaltigkeitsstrategie

Zur Kreistagssitzung Anfang September legte die Verwaltung eine Zusammenstellung „der bereits umgesetzten und derzeit geplanten Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels“ vor.
Wäre der Landkreis Celle ein mittelständischer Immobilienverwalter, der einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt hat, hätte er sich ein wohlwollendes Lob verdient. Aber können sich Aktivitäten wirklich darauf beschränken?

Klimaschutz als Nabelschau

In der Nabelschau wird so z.B. berichtet, dass durch die Digitalisierung „eine erhebliche Einsparung beim Papier- und Druckmaterialverbrauch erzielt“ worden sei. Der Fuhrpark sei um zwei VW e-up! mit 260 km Reichweite „erweitert“ (?) worden. Und weiter in Sachen Mobilität: „Derzeit stehen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung insgesamt 13 Fahrräder sowie ein Lasten E-Bike, verteilt auf das Kreisgelände und Außenstellen, zur Verfügung.“

Lang ist die Liste zur „energetische Verbesserung“ der eigenen Liegenschaften. „Dazu setzt er möglichst verschiedene Fördermittel ein, wie z. B. solche der Klimaschutzinitiative oder der Kommunalen Klimaschutzgesellschaft Landkreis Celle (KKC).“ Letzteres ist im Unterschied zum Klimaschutzfond der Stadt Celle einerseits nicht für Bürger*innen offen und zweitens ein ziemlich geheimer Topf – es bedarf großen Aufwands zu recherchieren, was wann mit welchen Mitteln gefördert wurde.

Das Positive: Bei den Schulen wird vielfach auf Blockheizkraftwerke gesetzt und die Umstellung auf LED-Technik wird als Standard vorangetrieben. Bilanz: „Durch die Nutzung und den Ausbau von Blockheizkraftwerken und Photovoltaikanlagen wird eine nachhaltige Form der Energieerzeugung in den Liegenschaften eingesetzt, die zu einer Verbesserung der Klimabilanz des Landkreises Celle beiträgt. Der Landkreis Celle betreibt derzeit, vorwiegend in Schulen, 3 Photovoltaikanlagen und 14 Blockheizkraftwerke.“

Und ja – es wird auch gemacht, was in den engeren Zuständigkeitsbereich fällt, also z.B. Ausweisung von Vorranggebiete zur Nutzung von Windenergie, Bau von Radwegen, Landschafts- und Naturschutz durch z.B.  Sicherung von NATURA Gebieten oder Ausweisung von FFH-Gebieten.

Herausforderungen annehmen

Eine Bemerkung vorab: Kreisverwaltungen haben als übergeordnete Ebene andere Aufgaben und Zugriffe als z.B. eine (kreisangehörige) Stadt wie Celle. Sie sind weniger direkt an den Menschen dran, aber gleichzeitig für wichtige Strukturen wie ÖPNV oder den Ausbau der Erneuerbaren zuständig. Der Deutsche Landkreistag hat das in seinem Papier „Klimaschutz und erneuerbare Energien in den Landkreisen“ am 7./8.1.2020 beschrieben, wenn auch wenig ambitioniert und unterer besonderer Fokussierung auf die „Lasten“. Letzteres geht vielleicht auf den Einfluss von Landrat Klaus Wiswe zurück, der als Präsident des Niedersächsischen Landkreistages (NLT) Mitglied in der fünfköpfigen Arbeitsgruppe war, die dieses Papier erstellt hat. Trotzdem: Will sich der Landkreis Celle an dieser Vorgabe orientieren, muss er öffentlich wahrnehmbar zusätzliche Arbeitsfelder etablieren. Anders ausgedrückt:

Klimaschutz muss für die Celler Kreisverwaltung  mehr werden als eine betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeitsstrategie. Wahrscheinlich müssen wir dafür aber bis nächsten September warten, wenn ein neuer Landrat gewählt wird.

Quelle: revista. linke zeitung für politik und kultur in celle; 21. Jg., H 102, Nov./Dez. 2020, S. 9.

 

 

Der lange angekündigte Klimaschutzplan der Stadt Celle sollte endlich am 12.11.2020 im Ausschuss Umwelt und Verkehr der Stadt Celle vorgelegt und diskutiert werden. Aber: Es wurde auf das nächste Jahr vertagt. Die Verwaltungsvorlage aber ist öffentlich, so dass wir uns entschlossen haben, sie zu kommentieren: Nachfolgend in Anführungszeichen jeweils der Originaltext der Vorlage.

 >> Beschlussvorlage:

Der Rat beschließt den Klimaschutzaktionsplan für die Stadt Celle und bittet die Verwaltung um Umsetzung, Fortschreibung und jährliche Berichterstattung. <<

 CWC sagt dazu: Bei näherem Hinsehen entlarvt sich das als „Aktionsplan“ vorgelegte Doku­ment bestenfalls als lückenhafte Ist-Stand-Beschreibung mit einigen  vagen Ab­sichts­­erklärungen. Diese „Beschluss“vorlage ist also gar nicht beschlussfähig, sondern hätte ggfs. vom Ausschuss lediglich zur Kenntnis genommen werden können. Bezeichnend ist auch die „Bitte“ nach „jährlicher Berichterstattung“. Ernst gemeinte Maßnahmen und Projekte bedürfen einer laufenden Bericht­erstattung. Und das wäre dann auch keine „Bitte“, sondern die Aufforderung an die Verwaltung, ihren selbstverständlichen Pflichten nachzukommen. 

>> Sachverhalt:

Mit dem Beschluss „Klima in Not – Klimaschutz in der Stadt Celle stärken“ (BV/0383/19-1) hat sich die Stadt Celle im November 2019 dazu bekannt, ihren Beitrag zum nationalen Klimaziel, bis 2030 den CO2 Ausstoß um 55% im Vergleich zu 1990 zu senken, zu leisten und sich zu­gleich zu einer klimafreundlichen und nachhaltigen Kommune weiterzuentwickeln. Ab sofort sollen bei wichtigen Entscheidungen solche Lösungen bevorzugt werden, die sich positiv auf den Klimaschutz auswirken. Die Verwaltung ist beauftragt, ein lokales Maßnahmenpaket zur Einsparung von C02 zu erarbeiten. Ein erster Klimaschutzaktionsplan für die Stadt Celle wird hiermit vorgelegt. <<

CWC sagt dazu: Und wie groß war der CO2 Ausstoß von Celle 1990 (Stadt, Wirtschaft und Privat­haushalte)? Und wie viel Tonnen Treibhausgas müsste man also in Celle (!) bis 2030 ein­sparen, um auch in Celle 55% Einsparung des nationale Ziels zu erreichen? Wenn die Stadt hierzu keine Zahlen angibt, kann nicht wirklich geplant werden. Alle Pläne und Aktionen werden so nur ein „Stochern im Nebel“ sein. Kurzum, so wird der Klimaschutzplan zum „Plan“ ohne Planungs­grund­lage. Auch auf eine Bürgerfrage zu den Basisdaten des „Plans“, wurde von der Stadt nur auf ein Gutachten im nächsten Jahr verwiesen. - Im sogenannten „Integrierte[n] Klimaschutzkonzept mit Aktionsplan“ aus dem Jahr 2012 waren Rat und Verwaltung da schon ein kleines Stück weiter: „Für das Jahr 2010 gibt die Endbilanz einen Gesamtenergieverbrauch von etwa 3.300.000 MWh an. Je Einwohner entspricht das einer CO2-Emission von ca. 10 Tonnen und liegt damit im statistischen Mittel von Kommunen dieser Größenordnung in Deutschland. Bezogen auf das Ausgangsjahr 1990 bedeutet dies eine C02 Reduktion von ca. 6 % und zeigt, dass es noch gewaltige Anstrengungen bedarf, um das Ziel von 40 % CO2 Reduktion bis 2020 zu erreichen.“ (siehe S. 69, des Dokuments von 2012).  

>> Laufende Maßnahmen zum Klimaschutz

Wichtigster Baustein der bisherigen Klimaschutzstrategie der Stadt Celle ist die Förderung von CO2-Minderungsmaßnahmen durch den Klimaschutzfonds der Stadt Celle – insb. in den Bereichen Gebäudemodernisierungen, erneuerbare Energien und Mobilität. Mit einem im Wesentlichen durch die SVO gespeisten jährlichen Mitteleinsatz von rd. 420.000,- EUR können so Maßnahmen mit einem Einsparpotenzial von ca. 1.000 t CO2/a (2019) realisiert werden. Seit der Einführung des Klimaschutzfonds sind ca. 1.250 Anträge eingegangen mit einem CO2-Minderungsvolumen von insgesamt rd. 9.400 t. <<

CWC sagt dazu:  Dass der Klimaschutzfonds sinnvolle Maßnahmen fördert, soll hier ausdrücklich nicht bestritten werden! Doch gemessen an den tatsächlich nötigen Maßnahmen, ist die jährlich auf­gewandte Summe von 420.000 Euro lächerlich gering. Die seit 2012 in acht Jahren eing­esparten 9400 t Treibhausgas sind angesichts eines Ausstoßes von ca. 10 t pro Celler Bürger*in und Jahr, ein Armutszeugnis. Was den Klimaschutzfonds leider (!) als Feigen­blatt­maßnahme entlarvt. Der Klimaschutz in Celle kann nicht von den (unzureichenden) Zuwendungen eines Energieversorgungsunternehmens abhängig gemacht werden, diese Aufgabe muss die Stadt Celle schon in Eigenregie übernehmen. Eine Stadt wie Celle muss die für ihre Zukunftssicher­ung nötigen Investitionen – und dazu gehört mit sicherlich einigen Millionen Euro auch der Klimaschutz – trotz hoher Verschuldung aufbringen. Warum schaffen es ähnlich hochverschuld­ete Städte in NRW, wesentlich mehr in Sachen Klimaschutz umzusetzen? Wozu wir eine Antwort geben können: Weil es dort in Politik und Verwaltung Personen gibt, die Willens und in der Lage sind, alle nur erdenklichen Förderprogramme von Bund und Land zu erkunden und rechtzeitig abzu­rufen. Und weil dort offensichtlich – trotz finanziell knapper Personallage – fähige Mitarbeiter dafür abgestellt werden.

>> Im Bereich des jetzigen Eigenbetrieb Stadtentwässerung Celle (SEC) ist bereits vor Jahren ein Klimaschutzteilkonzept erarbeitet und sukzessive umgesetzt worden. Hier soll bis 2022 eine 100 % Eigenstromerzeugung durch Faulgas realisiert werden, sodass kein Zukauf von Fremd­strom erforderlich ist. Bis Ende 2019 konnte insgesamt eine Einsparung von 688 t CO2 erzielt werden. Besonders hohe Effekte ergaben sich durch das seit 2018 in Betrieb befindliche neue Blockheizkraftwerk (BHKW) sowie durch die installierte Solaranlage. << 

CWC sagt dazu: Diese Maßnahme zur Eigenstromerzeugung der SEC ist aus unserer Sicht gut zu heißen. Die Erzeugung vom Methan als „Faulgas“ benutzt mit dem Klärschlamm ein Material, das sonst ohnehin – durch natürlichen Abbau oder Verbrennung – zur Treibhausgas­bildung beigetragen hätte. Zum Betrieb eines BHKWs verwendet, trägt es ohne zusätzlichen (!) Treibhausgasausstoß zur Strom­erzeugung bei. Die dabei entstehende CO2-Menge, gehört zu den 5 % (nach realistischer Berechnung) bis 2050 unvermeidlichen THG-Emissionen, die bis dahin durch andere Maßnahmen kompensiert werden müssen.
 

>> Weitere umgesetzte Maßnahmen zum Klimaschutz waren u.a. eine Solaroffensive gemeinsam mit den Stadtwerken Celle (u.a. auf Schulgebäuden und dem Parkhaus am Bahnhof) sowie die Erdwärmenutzung beim Neubau der Hauptfeuerwache am Herzog-Ernst-Ring. Über die Stadtwerke Celle bezieht die Stadt Celle zu 100% Ökostrom. <<

CWC sagt dazu: Leider ist die sog. Solaroffensive (nicht nur Corona bedingt) in Celle ziemlich zum Stillstand gekommen. Das betrifft nicht nur lange Wartezeiten bei der Beratung und den ausführenden Fachfirmen. Auch größere Projekte mit Bürger*innen-Beteiligung (was ja den städtischen Geldmangel mindern könnte) werden derzeit nicht mehr angeboten. Wo bleibt also eine wirkliche „Offensive“ für einen zügigen (!) Ausbau von PV -Anlagen städtisch und privat in Celle? Darüber hinaus sollte nicht nur Photovoltaik, sondern auch der Ausbau von Solarthermie zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung gefördert und unterstützt werden. Hierzu werden wie gesagt, die bescheidenen Mittel des Klimaschutzfonds nicht aus­reichen. Die Erd­wärmenutzung mit Wärmepumpen produziert derzeit ca. 40 % weniger CO2 als eine moderne Erdgasbrennwertheizung. Das ist gut, aber nur ein erster Schritt Richtung Klima­­neutralität. Heizen mit Wärmepumpe wird erst klimaneutral, wenn sie zu 100 % mit erneuer­­barem Strom betrieben wird, der auch im lokalen Umfeld produziert wird. Der hier angeführte sog. „Ökostrom“ in Celle ist fiktiv (und selbstverständlich meint „Stadt Celle“ nur die Stadtverwaltung und nicht die Bürger*innen). Er wäre nur dann regenerativ, wenn er aus neu errichten PV- und Windenergie-Anlagen bezogen würde, am besten vor Ort in Celle produziert. Wenn der „Öko­strom“ größtenteils aus der Umleitung von Strom aus seit Jahr­zehnt­en bestehenden Wasser­kraftwerken stammt, ist das ein Klimaschutz unwirksames "linke Tasche, rechte Tasche“-Prinzip. Leider ist das bislang beim „grünen“ Strom der Stadtwerke noch der Fall.
 

>> In neuen Baugebieten, z.B. „Blaues Land“ Garßen, wird auf klimafreundliche Festsetzungen Wert gelegt. Hier sind unter anderem keine Steingärten zugelassen und die Begrünung von Nebendächern ist vorgesehen. <<

CWC sagt dazu: Was heißt hier „klimafreundliche Festsetzungen“? Gibt es im Bebauungs­plan bindende Vorschriften wie z.B. „Heizung nur mit Wärmepumpe“ oder „Heizung nur mit Nahfern­wärme aus regenerativer Quelle“? Sind auf den Dächern PV- und/oder Thermosolar­anlagen vorgeschrieben? Nein. Von der Stadt Celle wird man wieder zu hören bekommen, diese Vorschriften seien nicht möglich. (Wer sich die Mühe macht, das Dokument „Zulässigkeit von Bebauungs­plänen in Bezug auf die Festschreibung und den Nutzungszwang bestimmter Heizenergiearten“ des Wissenschaftlichen Diensts des Deutschen Bundestags zu studieren, stellt fest, das war prinzipiell bereits schon 2009 möglich. Auch die novellierten Fassungen von EnEV (Energieeinspar­verordnung) und GEG (Gebäude Energie Gesetz) – sehen das durchaus vor. Auch eine „Begrünung“ in Neubaugebieten ist in Celle nur „vorgesehen“, bleibt also im Klartext nur ein Wunsch der Stadt. Wir kennen das ja bereits vom „Kieferngrund“, wo im Bebau­ungsplan als „frommer Wunsch“ der Stadt stand, Ziel sei „ein grünes Paradies“ und dann ent­stand in der Realität eine Schotterwüste.  

>> Aktuell wird das Kommunale Klimaschutzkonzept der Stadt Celle ausgewertet und fort­geschrieben. Ein Entwurf soll 2021 vorgelegt werden. <<

CWC sagt dazu: Was soll da fortgeschrieben werden? Das in Vergessenheit geratene „Integriert[e] Klimaschutzkonzept“ von 2012? Hier wäre zunächst einmal eine Evaluation, also eine Bewertung dessen, was mit welchem Ergebnis umgesetzt wurde und was nicht, sinnvoll. Daraus würde sich vielleicht auch hinsichtlich der Zukunft lernen lassen, dass es darum gehen muss, verbindliche Ziele, Zeitpläne und Investitions­volumen festzulegen.

>> Auch die stadteigenen Tochterunternehmen engagieren sich bereits jetzt für den Klima­schutz. Die Stadtwerke Celle SWC vertreiben zu 100% Ökostrom, haben gemeinsam mit der Stadt verschiedenste Photovoltaikanlagen errichtet, das Badeland energetisch optimiert, E-Ladesäulen installiert und engagieren sich, gemeinsam mit der CTM, im Netzwerk CEN - Celle Nachhaltig. <<

CWC sagt dazu:
Dass Celle wieder eigene Stadtwerke besitzt, ist auch unter dem Aspekt der Energiewende positiv zu bewerten. Die Stadtwerke könnten zum Initiator und Haupt­träger einer Strom- und Wärmewende in Celle werden. Auch die bisher errichteten PV-Anlagen sind ein guter erster Schritt (allerdings fehlen die Folgeprojekte s.o.). Der „Ökostrom“ der Stadt­­werke ist allerdings Fake. Er stammt nach eigener Aussage aus Wasserkraft. Das heißt, der Strom uralter Wasserkraftwerke wird formal (!) umgeleitet, und die bisherigen Bezieher*innen des Wasserstroms bekommen dann Kohle-, Gas- oder Atomstrom. Dies würde sich jedoch ändern, wenn die Stadtwerke intensiv in den Ausbau von PV und WEA vor Ort investieren. Und hat die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk CEN
bislang mehr zustande gebracht als den „Celler Becher“?

>> Bei der WBG erfüllt das derzeit neu entstehende Wohnquartier der WBG an der Wittinger Str. mit einer Holzhybrid-Bauweise im KFW 55 Standard, Gründächern, Photovoltaik- und Geo­thermienutzung sowie Carsharing- und E-Mobilitätsangeboten gleich mehrfach an- spruchs­vollen Klimaschutzanforderungen. <<

CWC sagt dazu: Dies ist absolut zu begrüßen, wenn es auch tatsächlich so umgesetzt wird.

>> Die Congress Union Celle hat bereits 2011 eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Neubaus der Congress Union erstellt und anschließend u.a. ein Blockheizkraftwerk angeschafft. <<

CWC sagt dazu: Ein in 2011 verwirklichtes PV-Projekt, ersetzt nicht, was heute und morgen getan werden muss! Blockheizkraftwerke waren, wenn sie in der Zeit von 2001 bis ca. 2010 angelegt wurden, eine gute Emissionen senkende Maßnahme. Für aktuelle Neubauten müssen allerdings emissionsfreie Lösungen verwirklicht werden. Zum Beispiel Wärme­pumpen, die mit Regener­ativem Strom betrieben werden. (Siehe auch weiter unten, unsere Anmerkung­en zur Aller­insel!). (Am Beispiel Congress Union kann man übrigens sehr schön die Prioritäten der Stadt Celle deutlich machen: 420.000 Euro des Klimaschutzfonds stehen 570.000 Euro für die Erneuerung der Küche der Congress Union gegenüber. (Motto: „Küche in einigen Jahren kaputt, Erde erst in ein paar Jahrzehnten kaputt.“ Klar, wofür ich mich als „verant­wort­licher“ wieder gewählt wollender Politiker entscheide). 

>> Der Zweckverband Abfallwirtschaft Celle (ZAC) verwertet und verstromt verschiedenste Rest- und Abfallstoffe und ersetzt dadurch fossile Energieträger – auch durch die Nutzung von Deponiegas. Er bezieht zudem seinen Strom aus regenerativer Stromerzeugung. Ins­gesamt wird durch die verschiedensten Maßnahmen bereits heute CO2  in der Größen- ordnung von deutlich über 10.000 t/a eingespart. <<

CWC sagt dazu: Soweit dies hier in Kürze dargestellt wird, scheint der ZAC, das Thema Klima­schutz in vorbildlicher Weise anzugehen.

>> Sieben aktuelle Handlungsfelder

Im Vorgriff auf die Fortschreibung des Kommunalen Klimaschutzkonzeptes hat die Verwalt­ung sieben Handlungsfelder auf dem Weg zu noch mehr Klimaschutz identifiziert, in denen kurz- und mittelfristig verstärkte Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden sollen. <<

>> 1    Energieeinsparung

Energieeinsparung ist weiterhin das wichtigste Handlungsfeld der CO2-Minderung. Schon in der Vergangenheit sind mit Fördermitteln des kommunalen Klimaschutzes des Bundes Beleucht­ungs- und Lüftungsanlagen auf energiesparende Technik umgerüstet worden (u.a. in Sport­hallen und geplant bei Flutlicht auf Sportplätzen). Die Stadt Celle bereitet derzeit die Umrüstung der kompletten Straßenbeleuchtung mittels Contracting auf klimafreundliche LED-Technik vor. Auch in der CUC wird aktuell die Lichttechnik auf LED umgestellt. <<

CWC sagt dazu: Richtig ist, dass Energieeinsparung z.B. durch Wärmedämmung von Gebäuden zur Einsparung von Heizenergie oder z.B. Energieeinsparung durch Reduzierung des Flugverkehrs ganz wesentliche Handlungsfelder zum Klimaschutz sind. Laut Verlautbar­ung des Umwelt­bundesamt vom November 2020 ist jedoch die Umstellung auf regenerative Energieträger das wichtigste Handlungsfeld. Die Umrüstung auf LED Beleuchtungen sowohl in Gebäuden als auch auf der Straße ist auf jeden Fall als äußerst sinnvoll einzu­stufen. Denn je nachdem, welche Technik durch LED ersetzt wird, können ca. 40% bis 70% Energie eingespart werden. Optimal eingesetzte LEDs sind auch im Gesamtlebenszyklus (bis zu 25.000 h Lebensdauer) energetisch und ökologisch den herkömmlichen Leuchtmitteln über­legen. Auch das Contracting von Heizungsanlagen oder der Straßenbeleuchtung kann für die Stadt Celle eine sinnvolle Maßnahme zur Ermöglichung von „Investitionen“ sein, ohne die Verschuldung der Stadt zu vergrößern. Damit dies aber langfristig nicht zu höheren Kosten führt, sollte der Contracting-Partner nach Möglich­keit ein stadteigenes Unternehmen sein, so dass die Gewinne zumindest als Reinvestitionen in die Stadt zurückfließen. Andere Städte haben das mit ihren Stadtwerken bereits vorgemacht. Zu Partner und Konditionen des Contracting gibt der „Klimaschutzplan“ leider noch keine Auskunft

>> Die WBG wird zum Jahresende ein Programm zur Erneuerung ihrer Wohnungsbestände auch unter energetischen Gesichtspunkten vorlegen. Zur Energieeinsparung trägt auch das geplante Blockheizkraftwerk für die neue Wohnbebauung auf der Allerinsel und das vor­gesehene „Biomassekraftwerk“ auf dem neuen Bauhof an der Hohen Wende bei (Holzhack­schnitzelheiz­anlage). <<

CWC sagt dazu: Wenn das Vorhaben der WBG tatsächlich unter energetischer Optimier­ung der Wohnungsbestände erfolgt, ist dies zu begrüßen. Eine 100%-ige Optimierung (und das würde ja streng genommen heißen Passivhausstandard oder gar Energie-Plus-Standard) wird aus Kostengründen und um die Mieten nicht übermäßig hochzutreiben, derzeit wohl nicht voll möglich sein. Trotzdem ist darauf zu achten, dass die dazu nötigen Ergänzungen in 10 oder maximal 20 Jahren voraussichtlich technisch kompatibel und kostengünstig möglich sein werden. (Zur Allerinsel siehe weiter unten!). Das geplante Biomassekraftwerk auf Hack­schnitzel­basis muss dagegen kritisch betrachtet werden. Wirtschaftlich ist ein Hackschnitzel­kraftwerk die nächsten 10 Jahre wahrscheinlich rentabel. Da durch das vom Klimawandel bewirkte aktuelle Waldsterben (280.000 ha allein in den letzten drei Jahren) Schadholz im Über­fluss anfällt. Ökologisch und unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes ist der Neubau von Biomasse-Heizanlagen und -Kraftwerken allerdings ein Fehler. Auch das Umwelt­bundesamt (Stand Dezember 2020) sagt, dass jeder weitere Zubau von Biomasse-Heizanlagen und Kraftwerken klimaschädlich ist, und dass der derzeitige Verbrauch von Biomasse bis 2050 halbiert werden muss. Um die Rolle des Walds als CO2-Speicher, Wasserspeicher und lokaler Klimaregulator zu stärken, sollte das Schadholz im Wald verbleiben (siehe dazu auch unter „Informationen zu Wald als CO2-Senke, aktuellem Wald­zustand, Aufforstung, Nutzwald, Mischwald, Naturwald, Holzwirtschaft, Holzhausbau usw.“). 

>> In Bau befindet sich der gemeinsame Verwaltungsneubau der Stadtwerken Celle (SWC) und des Eigenbetriebes Stadtentwässerung Celle (SEC). Hier erfolgt eine Wärmegewinnung aus Abwasser, die eine konventionelle Heizungsanlage überflüssig macht. <<

CWC sagt dazu: Mal abgesehen davon, dass mit jedem Neubau erst einmal große Mengen an THG anfallen, wäre diese Methode der Wärmegewinnung  ein absolut vorbildliches Projekt!

 

>> Die ab 2021 vorgesehene denkmalgerechte Sanierung der Altstädter Schule erfolgt auch unter energetischen Gesichtspunkten. <<

CWC sagt dazu: Wenn diese Sanierung tatsächlich unter energetischen Gesichtspunkten erfolgt, müssen auch Umluft-Frischluft-Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung und UVC-Desinfektion vorgesehen werden, und zwar mit Deckenabzug in jedem Klassenzimmer. Die derzeitige Diskussion um Stoß-Querlüften und Raumluftreinigungsgeräte zeigt: Offensicht­lich besitzt keine einzige Schule (ob alt oder neu) in Celle ein ordentliches Lüftungs­system, das Klimaschutz und (!) Hygiene genügt. 

>> 2    Förderung der Erneuerbaren Energien (Solar, Geothermie, Wind)

Die in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzten Photovoltaikmaßnahmen (PV) für mehr Solarstrom sollen fortgesetzt werden. Größte Maßnahme ist eine PV-Anlage auf den erneuerten Wagenhallen des neuen Bauhofes an der Hohen Wende gemeinsam mit den Stadtwerken. Auch beim Neubau der WBG an der Wittinger Str. wird Solarenergie eingesetzt. Weitere PV-Anlagen sind in Bau (Feuerwehrgerätehaus Garßen) bzw. in Planung (Grund- schule Altencelle). ZAC plant auf der Altdeponie Kiebitzsee ebenfalls eine großflächigen PV-Anlage. <<

CWC sagt dazu: Hier darf kein „sollen fortgesetzt werden“ stehen! Hier muss ein „werden fortgesetzt“ stehen. Denn alle aufgeführten Projekte erscheinen sinnvoll. Mit der großflächigen PV-Anlage am Kiebitzsee könnte der ZAC zum 100%-igen regenerativen Eigenstromversorger werden.  

>> Auch die Nutzung der oberflächennahen Geothermie soll weiter gefördert werden; u.a. durch den Klimaschutzfonds. Größere Förderungen betrafen Vorhaben der Südheide und der WBG, die auch im neuen Wohnquartier an der Wittinger Str. Erdwärme einsetzen. << 

CWC sagt dazu: Die Nutzung der der oberflächennahen Geothermie ist eine gute Sache. Doch wie bereits oben angemerkt, reicht dazu der Klimaschutzfonds bei weitem nicht aus. Neben zusätzlichen städtischen Mitteln müssen dazu auch alle Fördermöglichkeiten von Bund, Land und EU ausgeschöpft werden. (Dafür muss in der städtischen Verwaltung mehr Personal eingesetzt werden.) 

>> Durch die vorgesehenen Änderungen zur Windenergienutzung ergeben sich auch hier neue Möglichkeiten, die nach Vorlage der Erlasse von der Verwaltung geprüft werden. <<

CWC sagt dazu: In der Umgebung von Celle wären auch nach den bestehenden Bestimm­ungen sicher noch einige WEAs möglich. Diese sollten unter finanzieller Beteiligung von Bürger*innen und Anliegergemeinden vorangetrieben werden. Wichtig wäre – wie auch bei PV-Anlagen – parallel dazu ein lokaler Aufbau von Wasserstoffspeichern. So werden lange Stromtransportwege und Netzüberlastungen vermieden.(Dann könnte auch CeBus ein erstes Wasserstoff-Bus-Projekt starten). Wasserstofferzeugung und Speicherung ist zwar derzeit noch unwirtschaftlich, doch zum Ausgleich gibt es üppige Subven­tion­en (u.a. von der EU). Einige Städte z.B. in NRW haben da bereits zugegriffen und sind in der konkreten Bauplanung. (Und war da nicht was? Ist der Landkreis Celle nicht im Juni 2020 Mitglied der „Wasserstoffregion Niedersachsen“ geworden, wo Millionen Fördergelder bereit­liegen.) Hier sollte die Stadt enger mit dem Landkreis kooperieren. Zu befürchten ist nur, dass das Geld bereits bei „flinkeren“ Städten wie z. B. Cuxhaven gelandet ist.

>>  3. Klimafreundliche Wohnsiedlungen

Innenentwicklung ist Klimaschutz durch Nachnutzung ehemals genutzter, aber aktuell brach-liegender oder untergenutzter Flächen und durch kurze Wege zur Verkehrsvermeidung. Das vorhandene Innenentwicklungskataster wird aktuell überarbeitet. Neben der Revitalisierung der Allerinsel für Wohnzwecke sind u.a. Maßnahmen an der Wittinger Str. (WBG), Bahnhofstr. (Südheide), Fuhrberger Str., im Umfeld des Neuen Rathauses (Wehlstr.) sowie an der Braunhirschstr./ Georg-Wilhelm-Str. in Planung bzw. Umsetzung. <<

CWC sagt dazu: Nachnutzung, soweit es gewerbliche Altflächen u. ä. betrifft, ist sicher sinn­voller als Neubau­gebiete, die Grünflächen versiegeln. Statt mit Tiny Houses könnten durch die Sanierung der Altstadt auch junge Leute wieder als Mieter*innen in die Stadt gelockt werden, um so die Innenstadt wieder zu beleben. Ein fraglicher Erfolg in Sachen Klimaschutz ist die Allerinsel. Statt das neue Wohngebiet absolut klimafreundlich durch Nahfernwärme aus mitteltiefer Geothermie zu versorgen, wurde eine Entscheidung für ein Erdgas betriebenes BHKW getroffen (siehe dazu auch oben!). Das in diesem Zusammenhang angeführte Argument, statt Erdgas könne man ja auch Biogas verwenden, war falsch. Biogas aus Mais ist klima- und umwelt­schädlich. Und das Argument, mitteltiefe Geothermie sei zu teuer, war nur stichhaltig, da die Möglichkeiten der Förderung nicht mitkommuniziert wurden.

>> Die Nachnutzung des 2021 freiwerdenden Grünflächenamtes an der Lüneburger Str. soll mit einer energiesparenden Wohnbebauung erfolgen. In Vorwerk soll zudem ein nachhaltiges Wohnquartier entstehen. Im Wohngebiet nördlich der Lüneburger Str./Lüneburger Heerstr. fördert das Land den Einsatz energiesparender Wärmepumpen. Grundsätzlich soll in allen Neubaugebieten nachhaltige, klimafreundliche und energetische Regelungen getroffen werden. Die Ausgestaltung ist abhängig von der Art des Gebietes.<<

CWK sagt dazu: Auch hier leider wieder das unverbindliche „soll“. Bei unverbindlichen Vorgaben ist ja nicht einmal sicher, dass private Bauherren die Förder­möglichkeiten überhaupt nutzen. Ganz wesentlich wäre übrigens, wenn eine endlich ein­gerichtete, mit ausreichend Personal ausgestattete „Klimaschutz-Abteilung“ der Stadt alle Bauherr*innen bei der Beantragung und Ausschöpfung aller Fördermittel unterstützen würde. Darüber hinaus gilt – wie oben schon angemerkt: Jeder Neubau führt in seiner Fertigstellung zu großen Mengen an THG. Auch weiß man seit Jahrzehnten, dass das Einfamilienhaus diejenige Siedlungsform ist, die durch Flächenverbrauch am meisten Natur zerstört und auch am Energie aufwändigsten ist. Wenn schon Neubau, dann sollten Flächen sparende Siedlungsformen bevorzugt werden. 

>> 4. Nachhaltige Mobilität

Die schon begonnene Fahrradoffensive der Stadt Celle wird, auf Basis der Vorschläge eines externen Gutachterbüros, mit weiteren Maßnahmen fortgesetzt. Geplant sind weitere Fahrrad­straßen und die Prüfung von Fahrradzonen, die Schaffung von durchgehenden Fahrradrouten aus den Ortsteilen in Richtung Altstadt, die Markierung weiterer Schutzstreifen sowie rote Furtmarkierungen an allen großen Knotenpunkten. Für die Förderung des zu Fuß Gehens ist die Erstellung eines Fußverkehrskonzeptes geplant. <<

CWC sagt dazu: Das von der Beratungsfirma i.n.s. – Institut für innovative Städte vorgelegte Gutachten zum Fahrradverkehr umfasst, wie beauftragt, nur die Erfassung von Ist-Zustand und erste Ver­besserungsvorschläge. Das Ergebnis: Celle hat zwar gute Möglich­keiten für Ausbau und Verbesserung des Fahrradwegenetzes und der Bestand an Radwegen ist in Celle bereits relativ groß. Doch Sicherheit und Durchgängigkeit der bestehenden Radwege ist schlecht. Es ist jetzt an der Stadt, schnellstens konkrete Umsetzungspläne zu erstellen. Die Gefahr ist, da das Gutachten nur auf die nächsten fünf Jahre ausgelegt war, dass wieder nur Stückwerk verwirklicht wird. Deshalb unser Vorschlag: Um nicht sofort zu große Investitionen tätigen zu müssen, sollte zunächst nur eine der Zubringer-Routen zur Altstadt schnell, aber perfekt ausgebaut werden. Dafür aber ist die verkehrsberuhigte Innenstadt zügig in fünf Jahren zu verwirklich­en. (Ziel dabei muss sein, Vorrang für Fußgänger*innen und Fahr­radfahrer*innen). Kostenmäßig ist das günstig umzusetzen, da z.B. die Ausweisung von Fahrrad­zonen und Fahrradstraßen pro Straße im Bereich von wenigen Tausend bis Zehntausenden von Euro liegt, wie „Schnellum­widmungen“ in anderen Städten bereits gezeigt haben. Viele Touristen bewundern zwar die Celler Altstadt als „eigentlich“ sehr schön. Wundern sich aber darüber, dass die schönsten Stellen in der Celler Altstadt mit Autos zugeparkt sind oder dass man sich z.T. an fahrenden Autos vorbei durch die Altstadt „drücken“ muss. Hierfür wäre die Auto freie und damit Parkplatz freie Innenstadt die beste Lösung. Dass Innenstädte veröden, wenn sie nicht zu einem genussvollen Flanieren einladen, hat sich noch nicht bis Celle herum gesprochen. Wer in den Celler Außenbezirken wohnt und für den Alltagsbedarf einkauft, fährt ohnehin zu den Einkaufszentren und nicht in die Innenstadt. Auf die Dauer werden, eingebunden in ein ansprechendes Gastro­nomie- und Wohnumfeld, nur die Geschäfte in Innenstädten überleben, die durch die Besonder­heit ihrer Angebote die flanierend­en Besucher*innen anlocken. Und mit Lieferservice (z.B. mit E-Last­rad oder E-Van) und durch E-Van-Shuttle Busbetrieb zu den Rand-Parkplätzen kann der Weg­fall von Park­plätzen vor dem einzelnen Geschäft mehr als kompensiert werden. Man muss ja nur schauen, wie das andere Städte bereits erfolgreich verwirklicht haben. (Tipp wäre z. B. Straubing).

>> Zur Aufwertung der Altstadt sollen die Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer verbessert und die Straßen und Plätze gestalterisch für mehr Aufenthaltsqualität aufgewertet werden. An einzelnen Plätzen kann auch mehr Grün geschaffen werden. <<

CWC sagt dazu: Natürlich muss aus dem „soll“ ein „muss“ werden! Und es muss auch mehr Grün geschaffen werden. Schon jetzt ist durch die wärmespeichernden Pflaster-, Asphalt- und Betonflächen die Celler Altstadt im Hochsommer oftmals ein Brutofen, wo Besucher*innen notgedrungen schnell ein Eis essen, aber kaum zu längerem Verweilen animiert werden. Hier muss zur Regulierung des Mikroklimas also noch tüchtig nachbegrünt werden.
 

>> Zur Förderung der E-Mobilität werden weitere Ladesäulen im Zuge moderner Mobilitäts- konzepte im Wohnungsbau u.a. auf der Allerinsel und an der Wittinger Str. geschaffen. Auch E-Bikes und E-Scooter kommen vermehrt zum Einsatz. Die Erfolgsgeschichte des kostenlosen Celler Lastenrad - Verleihsystems soll fortgesetzt werden – aktuell mit Fördermitteln der Metropolregion. <<

CWC sagt dazu: Förderung der E-Mobilität ist prinzipiell richtig. Doch dabei darf nicht nur auf den Individual Verkehr mit E-Pkw gesetzt werden. Auch bei 100%-iger Umstellung auf E-Mobilität muss zur Energieeinsparung der individuelle Pkw-Verkehr stark eingeschränkt und durch Fahrrad, Zug, ÖPNV, und vor allem auf dem Lande durch Shuttle-Bus-Systeme, Ride-Sharing und Car-Sharing ersetzt werden. (Laut diversen Studien u. a. UBA, darf 2050 der Verkehr im Vergleich zu 2015 nur noch ca. 20% bis 25% der Energie verbrauchen). Warum haben Politik und Verwaltung der Stadt Celle nicht interveniert, als CeBus beschloss bis 2025 ausschließlich 80 Dieselbusse neu­anzuschaffen, statt mit einigen ersten E-Bussen und Wasser­stoffbussen mit dem Einstieg in CO2-freien ÖPNV zu beginnen. (Inzwischen fahren bereits 2,5 % der Linienbusse in Deutsch­land elektrisch. (Wie das geht? Ein Blick nach Hannover würde genügen). Anfang 2020 wurde bereits von einer Mobilitäts­zentrale am Bahnhof Celle „geschwärmt“. Doch außer einer Über­nahme von DB zu Metronom ist bislang nichts dabei heraus gekommen. Immerhin kann man weiterhin Fahrkarten kaufen. Andere Städte – wie z.B. das kleine Oberstdorf bauen eine Mobilitätszentrale auf (u.a. mit EU Fördermitteln), wo direkt am Bahnhof, Fahrräder und E-Bikes geliehen werden können oder kostengünstiges E-Car Sharing und E-Van-Shuttles in die Innenstadt bzw. zu touristischen Schwer­punkten genutzt werden können. Anscheinend fehlt auch im Verkehrsreferat der Stadt Celle Personal für zukunfts­fähige Projekte. Und wo bleibt beim Thema Mobilitätszentrale das Celler Tourismus Marketing, das doch höchstes Interesse an einer echten  Mobilitätszentrale haben müsste? Das Celle der Zukunft darf ja nicht nur für Kaffeefahrten attraktiv sein, sondern muss auch für den modernen CO2-frei reisenden Touristen attraktiv werden.

>> 5. CO2-Bindung durch verstärkte Baumpflanzungen und Moorvernässung

Die wirksamste Strategie zur Eindämmung des Klimawandels ist die Aufforstung von Wäldern“ (Science 2019). Bäume binden Kohlenstoff und geben Sauerstoff an die Atmosphäre frei. Diese CO2-Bindung kann durch verschiedenste Arten der Baumpflanzungen gefördert werden. In Celle sind ca. 1/3 des Stadtgebietes Waldfläche (rd. 60 qkm). Davon sind 80% mit Nadelwald bewachsen. Vorrangig auf stadteigenen Flächen, aber auch im Zusammenspiel mit anderen Waldeigentümern soll Nadelwald in Laub- und Mischwald umgewandelt werden. <<

CWC sagt dazu: Die in Science veröffentlichte Studie der ETH Zürich war offensichtlich von der fossilen Wirtschaft gesponsert. Bäume und Wälder sind zwar gewaltige Kohlenstoff­speicher, weshalb ihr Erhalt für das Klima extrem wichtig ist. Aber Bäume zu pflanzen, um weiter­hin CO2 aus Pkws, Hausheizungen, Stahlwerken und fossilen Kraftwerken emittieren zu dürfen, ist moderner Ablass­handel (= Sündererlass gegen Bezahlung) und genauso wirkungs­los. Schnell und tat­sächlich wirksam ist nur das Abstellen von Treibhausgasemissionen. Denn ein Baum speichert in 40 Jahren Wachstum gerade so viel CO2, wie ein durch­schnitt­licher Pkw in einem Jahr ausstößt. D.h. Bäume speichern tatsächlich CO2, aber viel wird es nur über extrem lange Zeiträume. Und das Neuanpflanzen von Bäumen erfordert viel Zeit (Saatgut­gewinnung, Aufzucht von Setzlingen usw.). China brauchte z.B. 40 Jahre um 64 Mrd. Bäume zu pflanzen. Damit konnte China zwar die Ausbreitung der Wüsten stoppen, aber der Effekt auf das Klima war vernachlässigbar. D.h. aber nicht, dass wir keine Bäume neu­anpflanzen sollten! Wenn wir jetzt zum Beispiel bis 2030 100 Mio. Bäume in Deutschland neu anpflanzen würden, dann hätte das 2050, wenn wir bereits 95% der THG-Emissionen ein­gespart haben, sicher einen deutlichen Effekt auf die Kompensation der restlichen 5%. Doch das Problem ist in Deutschland, in Niedersachsen und auch im LK Celle derzeit gar nicht die Neuanpflanzung von Bäumen, sondern das durch den Klimawandel bereits ausgelöste Wald­sterben. Deshalb muss zunächst Erhalt und Umforstung im Vordergrund stehen. Was die Städtischen Wälder betrifft, wäre unser Vorschlag, auf jede weitere forstwirtschaftliche Nutzung zu verzichten und die städt­ischen Waldflächen komplett in Schutzwälder um­zuwidmen. Außer als CO2-Speicher wäre dieser städtische „Naturwald“ auch als Wasser­speicher und Regulator des Lokalklimas wirk­sam. Und ein solcher Naturwald wäre auch unter dem Gesichtspunkt Artenvielfalt vorteilhaft. Unseres Wissens ist eine solche Waldumwidmung bereits in mehreren deutschen Städte in Planung.

>> Außerdem sollen auf stadteigenen Flächen und denen der Stadtwerke (Wasserwerk Garßen) rund 16.000 neue Bäume gepflanzt werden (Buchen und Eichen). Neben der CO2-Bindung trägt dies auch zur Grundwasserneubildung bei. <<

CWK sagt dazu: Das ist gut, aber keine wesentliche Maßnahme zum Klimaschutz. Und diese 16.000 Bäume dürfen keinesfalls als Alibi für das Unterlassen anderer wirksamerer Klimaschutzmaßnahmen dienen.

 >> Auch die Moorvernässung hilft CO2 zu binden. In noch weitgehend intakten Moorgebieten (z.B. Henneckenmoor, Breites Moor) können diese weiter vernässt und somit langfristig gesichert werden. Auch in Zukunft sollen dafür Fördermittel des Landes eingeworben werden. Im Zuge von Ausgleichs-/Ersatzmaßnahmen soll eine weitere Bündelung von Baumpflanz-maßnahmen erfolgen. Mittelfristig ist auch die Teilhabe von Unternehmen, Organisationen und weiteren Akteure an der Umsetzung denkbar; z.B. durch den Verkauf von Zertifikaten. <<

CWC sagt dazu: In Mooren, d.h. in den Moorböden und im Torf sind tatsächlich große Mengen (über viele Jahrhunderte (!) gebundenes) CO2 gespeichert. Der Erhalt bereits bestehender Moore und sumpfiger Flächen ist deshalb eine sehr wichtige klima­schonende Maß­nahme! Doch wie man z.B. aus dem Dezernat des Referats für Fließwasser­ökologie des Landes Schleswig-Holstein erfahren kann, kommt es bei der Vernässung von trockengelegten oder ausgetrockneten Mooren erst einmal über Jahrzehnte zu einem Anstieg von Treibhaus­gasemissionen in Form von Methan. Ursache ist, dass mit dem durch Vernäss­ung beginnenden Wachstum von Moosen die Verrottung des absterbenden Moosanteils (und Aufbau erster Torf­schichten) anaerob mit Abbau zu Methan (CH4) erfolgt, das als Treibhausgas über 20-mal stärker wirkt als CO2. Das heißt: Die CH4-Emission übersteigt zunächst den CO2-Verbrauch beim Wachsen der Moose. Erst nach vielen Jahrzehnten kommt es zum Zustand, dass die CO2-Bindung die CH4-Emission leicht überwiegt. So gesehen, kann Moorvernässung aus Gründen des Landschaftsschutzes oder Stärkung der Artenvielfalt durchaus sinnvoll sein. Als Klimaschutzmaßnahme auf dem Weg zu CO2-Null in 2050 ist Moorvernässung allerdings kontraproduktiv! Ausgleichsmaßnahmen dienen erstmal nicht dem Klimaschutz, denn dieser erfordert ja eine Minderung des CO2-Gehalts der Luft und nicht nur den Ersatz für die Zer­störung CO2-bindender Natur. Die als sogenannte Ausgleichmaßnahme gepflanzten Bäume sind in der Regel nicht einmal Ersatz, für den verursachten Treibhausgasschaden. Für jeden gefällten 40-jährigen Baum, müssten nämlich zum unmittelbaren CO2-Ausgleich mindestens 400 drei-jährige Bäume nachgepflanzt werden. Wenn diese Bäume überleben und weiterwachsen, würden sie nach einigen Jahren tatsächlich anfangen zusätzliches CO2 zu binden und zu einer Minderung des THG-Gehalts in der Atmosphäre beitragen. Nur wenn dies wirklich geschieht, wären die dafür ausgegebenen Zertifikate keine modernen Ablassbriefe (s. a. oben!). 

>>  6. Celle Klimastadt

Mit verschiedenen Maßnahmen der Umwelt- und Klimabildung soll verstärkt über das Thema Klimaschutz aufgeklärt und berichtet werden. Der ursprünglich für 2020 vorgesehene 2. Klima­schutz- und Mobilitätstag Celle wird coronabedingt dann 2021 stattfinden. In Kontakt mit den Celler Schulen sollen Module zur Klimabildung und zu Energie-Einsparprojekten entwickelt und im Unterricht angewandt werden. Unter dem Titel „Gute Beispiele Klimaschutzfonds Celle“ sollen geförderte Maßnahmen aus dem Klimaschutzfonds aufbereitet und präsentiert werden.

Der vom Oberbürgermeister eingerichtete Runde Tisch Klimaschutz“ soll weiterhin das Aktionsprogramm begleiten und konkrete Maßnahmen in die laufende Fortschreibung der Handlungsfelder einspeisen.

Im Celler Klima-Pakt können wichtige Celler Akteure über eine Selbstverpflichtung zum klimafreundlichen Handeln in das Aktionsprogramm eingebunden werden – z.B. über die verpflichtende Umsetzung einer Klimaschutzmaßnahme pro Jahr abgestimmt mit dem Handlungsprogramm der Stadt Celle. <<

CWC sagt dazu: Wenn das Thema Klimawandel und Klimaschutz auch von der Stadt aus ins öffentliche Gespräch gebracht wird, ist das zu begrüßen. Der Vorschlag, gute Beispiele geförderter Maßnahmen zu präsentieren, ist sinnvoll. Denn dadurch können tatsächlich Bürger*innen und Firmen zu eigenen Aktivitäten angeregt werden. Ein runder Tisch macht nur Sinn, wenn der Wille der Stadt zu tatsächlich wirksamen Maßnahmen besteht und dafür auch Personal und ausreichende Etats bereitgestellt sind. Ansonsten wird der Runde Tisch zur Plauderrunde. Selbstverpflichtungen sind das billigste Verhütungsmittel für Änder­ungen, das macht uns die Wirtschaft seit Jahrzehnten vor. Stattdessen brauchen wir klare Vorgaben und konkrete Unterstützung durch die Stadt (zum Beispiel bei der Nutzung von Fördermaß­nahmen).

>> 7. Konzeptfortschreibung KSK Celle

Last but not least soll das bestehende Klimaschutzkonzept der Stadt Celle neu aufgelegt werden. Inhalte und Wirkungen werden derzeit ausgewertet und konzeptionell fort­geschrieben. Ein Entwurf soll 2021 vorgelegt werden. <<

CWC sagt dazu: Da gibt es ein sanft entschlafenes Klimaschutzkonzept seit 2012, da wird aktuell ein Klimaschutzaktionsplan vorgelegt und nicht behandelt, und beide werden fort­geschrieben. Was nun? In der Beantwortung einer Bürgerfrage im Fachausschuss wurde klar, dass anscheinend ein externes Gutachten beauftragt worden ist oder werden soll. Der Stadtrat scheint in diese Beauftragung nicht eingebunden worden zu sein, hat also keinerlei Einfluss auf die Zielvorgaben. Ob mit oder ohne externe Beratung, die Stadt Celle braucht dringend einen Plan mit klaren Zielvorgaben für aufeinander abgestimmte Maßnahmen für Klimaschutz in allen Sektoren wie Wärmewende, Verkehrswende und Stromwende und das mit exakten Zeit- und Kostenplänen. Und außer –­ übrigens nicht kostenlosen – ­ externen Beratern braucht die Stadt auch mehr eigene Mitarbeiter, die sich darum kümmern. 

>> Finanzielle Auswirkungen:  Keine 


gez. Ulrich Kinder Stadtbaurat <<

CWC sagt dazu: Dass die Vorlage eines solchen Papiers nur zur Kenntnisnahme keine Kosten verursacht, war uns schon klar. Aber irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass die Stadt Celle vor allem auf Klimaschutz setzt, der nichts kostet, weil er nicht stattfindet. Wir hoffen, unser Eindruck ist falsch!





Verwaltung im Versuchsstadium – öffentliche Aufmerksamkeit ist gefragt

In der Sitzung des Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verkehr und technische Dienste am 12. November will die Stadtverwaltung den Bearbeitungsstau in Sachen Klimaschutz auflösen. In der Oktobersitzung wurde über eine Beschlussvorlage ein Zwischenstand mitgeteilt:

„Die Verwaltung nimmt derzeit schon Hinweise zu Klimaauswirkungen der Maßnahmen in die Beschlussvorlagen mit auf. Diese werden allerdings eine Anpassung und Spezifizierung erfahren. Hierbei hilft ein vom Deutschen Städtetag und Difu erarbeiteter Handlungsleitfaden, der derzeit für die Stadt Celle angepasst wird. Auch das Tool des Klimabündnisses hierzu wird dabei berücksichtigt. Dieser Celler Leitfaden wird im November vorgestellt.

Ferner hat die Überprüfung schon bestehender Beschlüsse auf Klimarelevanz stattgefunden. Es ist festzuhalten, dass es keine Beschlüsse gibt, die nicht in der Sache an sich die Klimarelevanz als zu bearbeitenden Punkt an sich beinhalten (Bauleitplanung) oder keine Auswirkungen auf das Klima haben (Einführung eines Kommunalen Ordnungsdienstes) oder schon gänzlich umgesetzt wurden.“

Nullvariante scheidet aus

In der Tat hat die Verwaltung angefangen, in Beschlussvorlagen die „Klimaauswirkungen“ zu benennen. Zum „Bebauungsplan Feuerwehrgerätehaus Westercelle“ etwa wurde folgendes mitgeteilt:

„Da das für die Feuerwehr Westercelle erforderliche Gerätehaus nicht am heutigen Standort errichtet werden kann, scheidet die Nullvariante als Planungsalternative aus. Es ist davon auszugehen, dass durch die Umsetzung der Planung gegenüber der Nullvariante zunächst zusätzliche CO2-Äquivalenz-Emissionen entstehen werden.

[…] Im Zuge der Umsetzung des Bauvorhabens wird es zu einer Waldumwandlung und einer Beseitigung von Vegetation kommen, die eine klimarelevante Veränderung der heutigen Situation darstellt. Um die Klimaauswirkungen (vorwiegend auf das Mikroklima) zu reduzieren, werden im verbindlichen Bauleitplanverfahren soweit möglich vorhandene Bäume als zu erhalten festgesetzt. Darüber hinaus wird die vorhandene Allee als freiwillige Minimierungsmaßnahme für den Verlust von Straßenbäumen durch die Pflanzung von Eichen ergänzt.

Der Verlust der Waldfläche wird durch das Aufforsten einer geeigneten Fläche ausgeglichen. Die hierfür vorgesehene Fläche wurde bereits im Jahr 2014 mit einem Waldentwicklungstyp 10 (Traubeneiche-Buche-Hainbuche) aufgeforstet. Der hierfür vorgesehene Ausgleich wurde, mit Blick auf den „Klima in Not – Beschluss“, höher als rechnerisch erforderlich angesetzt. Mit der höheren Anzahl von Bäumen pro Hektar auf der Aufforstungsfläche, wird perspektivisch eine größere CO2 Bindung als derzeit erzielt.

Gegebenenfalls werden über den Bebauungsplan hinaus bauliche Maßnahmen ergriffen, die zu einer weiteren Reduzierung der klimarelevanten Auswirkungen beitragen können. Für das Bauvorhaben werden im Zuge der weiteren Ausführungsplanungen unterschiedliche klimaschonende bzw. energieeffiziente Heizungssysteme geprüft. Gegebenenfalls kommen hierfür Geothermie oder eine Kombination von Luftwärmepumpen und Fotovoltaik in Frage.“

Vorteile und Probleme

Vorteile und Probleme der Prüfung auf Klimarelevanz werden in dieser Vorlage schon deutlich:

1.) Dass die „Nullvariante“ ausscheidet, ist zum einen eine (sachlich begründete) politische Entscheidung: Ein neues Feuerwehrgerätehaus muss her, weil das alte nicht mehr den Anforderungen entspricht.

Problematisch ist, dass Standortalternativen nicht Gegenstand der Bewertung geworden sind. (Die Wahl des Grundstücks war angeblich alternativlos. Das stimmt allerdings nur, wenn man die Auswahlkriterien betrachtet. Das wichtigste Kriterium war, dass das Grundstück  nichts kosten dürfe. Angesichts der z.B. von der Stadt klaglos hingenommenen Kostensteigerung beim neuen Bauhof Hohe Wende von über zwei Mio. Euro sind aber ein paar Hunderttausend Euro für ein Feuerwehrgrundstück Peanuts. Ein weiteres Kriterium war, dass das neue Feuerwehrhaus wesentlich (!) größer sein müsse als das alte. Wie weit das fachlich - außer von der Feuerwehr selbst - überprüft wurde, bleibt intransparent.)

2.) Ein deutlicher Mangel ist, dass das Problem der Boden-Versiegelung nicht Bestandteil der Bewertung ist. Hier sind Rat und Öffentlichkeit gefordert, dass dies künftig im Leitfaden eine Rolle spielt.

3.) Im engeren Sinn klimarelevante Veränderungen sollen mit bestimmten Maßnahmen ausgeglichen werden. Im Prinzip ist das bei der Umsetzung von Bauvorhaben sowieso schon Standard. Wichtig wäre hier eine Quantifizierung der Ausgleichsmaßnahmen. - In der Vorlage ist es so ja nicht mehr als eine Behauptung, dass „perspektivisch eine größere CO2 Bindung als derzeit erzielt“ wird. (Formal wurde dafür eine bereits 2014 angepflanzte Ausgleichsfläche eingesetzt. Doch eine herkömmliche (!) Ausgleichspflanzung - auch wenn sie tatsächlich zusätzlich für die jeweilige Baumaßnahme durchgeführt wird - ist klimatechnisch fast unwirksam: Werden 40 Jahre alte Bäume gefällt, dauert es im besten Fall wieder 40 Jahre bis der Klimaschaden durch Nachwuchs eines Baums ausgeglichen ist. Angesichts der Dürreprobleme dauert der Nachwuchs eher länger oder misslingt sogar. Wollte man die CO2-Bilanz wirklich ausgleichen, müssten für jeden gefällten 30 bis 40 jährigen Baum sofort bis zu 400 junge Bäume gepflanzt werden.)

4.) Eigentlich müsste es ja eine Selbstverständlichkeit sein, bei Baumaßnahmen die Wärmefrage klimaneutral zu lösen. Hier wird es immerhin als Ziel der weiteren Planung benannt.

5.) Wichtig wäre, dass nach Abschluss der Maßnahme eine weitere Bewertung erfolgt.

Höchst interessant dürfte die Bewertung schon gefasster Beschlüsse werden.